

Aktion für mehr Organspenden - Webtagebuch
Noch immer sterben in Deutschland jeden Tag 3 bis 4 Menschen, weil nicht genügend Organe für Transplantationen gespendet werden. Denn bei uns ist die Bereitschaft zur Organspende noch immer sehr gering.
Mit der Radtour „pro Organspende“ möchten Transplantierte die Öffentlichkeit für das Thema Organspende sensibilisieren und zeigen, dass die Transplantationsmedizin eine Erfolgsgeschichte ist - mit Unterstützung von Novartis.

Hier erhalten Sie Einblicke: Lesen Sie die Tagesberichte von Wolfgang Ludwig, seit 17 Jahren nierentransplantiert und Teilnehmer der Radtouren „pro Organspende“ 2007 und 2008.
2008
Tagesberichte von der Radtour "pro Organspende" 2008
1. Tag: 29. Mai 2008 - 32 lockere Kilomenter vom Stadtrand in die City von Berlin
9:30 Uhr: Endlich geht es los. 11 Fahrräder - davon 3 Tandems - sind im VW verstaut. Mit großer Mühe ist uns dies gelungen. Dann 4,5 Stunden flotte Autofahrt nach Berlin. Ohne Pause. Aber auch ohne Stau.
14:00 Uhr: In Berlin angekommen treffen wir schon die ersten Teilnehmer; Lotte aus Berlin, Carlo aus der Schweiz und Jens aus der Nähe von Frankfurt sind bereits da. Wir montieren die Fahrräder wieder zusammen - komplett passten sie nicht ins Auto - unter dem hilfreichen Einsatz von Einmalhandschuhen. Nach und nach treffen immer mehr Radler ein. Unsere „lokalen Scouts“ sind eingetroffen; Hans und Helle haben sich einen schönen Weg durch Berlin ausgedacht.
16:30 Uhr: Nach diversen Justierungen an den Fahrrädern sind wir startbereit und machen uns auf den Weg. Am Wannsee vorbei - am liebsten wären wir bei dem warmen Wetter dort reingesprungen - fahren wir durch die Randbezirke von Berlin. Es geht flott voran und an der immer dichter werdenden Bebauung merken wir, daß wir uns der Innenstadt nähern. Bald erreichen wir Charlottenburg. Der Verkehr nimmt zu und wir erreichen bald das Regierungsviertel. Noch einige weitere kleine Kilometer und wir sind in der „kleinen Stadt Virchow“ angekommen. Schon ganz am Anfang begrüßt uns Herr Kollhorst von der Technikerkrankenkasse, der uns dann auch in Hamburg empfangen wird. Dann fahren über die Mittelallee zum Forum. Prof. Reinke und Herr Mehlitz empfangen die Radler und nach den ersten Kilomentern bei doch recht warmen Wetter können wir die Getränke gut gebrauchen. Morgen sind wir hier noch zum Frühstück geladen.
19:30 Uhr: Wir radeln noch einige hundert Meter zum Herzzentrum; die Räder werden in einen LKW gesperrt, damit niemand über Nacht daran manipuliert. „The Dandy’s“ - die Beatweltmeister aus dem Jahre 1967, deren Bassist Dieter Kemmerling ist lebertransplantiert - sind schon da, tolles Essen auch. Prof. Hetzer, der Gastgeber des heutigen Abends, empfängt uns aller per Handschlag. Eine schöne Geste. Frau Dr. Nickolaus und Frau Kandela haben alles toll vorbereitet. Justizministerin Frau Zypries kommt etwas später und dann geht der offizielle Teil los. Herr Hetzer ist von den Kilometern, die sich die Radler vorgenommen haben, beeindruckt. Für das Transplantationsgesetz fühlt sich Frau Zypries „nicht ganz verantwortlich“. Aber wo sie schon mal da ist, geben wir ihr unsere Wünsche hinsichtlich der Umsetzung des Transplantations-gesetzes mit auf den Weg. Es wird ein schöner Abend mit vielen netten Leuten, guten Gesprächen und toller Stimmung.
Der Auftakt ist gemacht. Unsere Mission beginnt.
Tageskilometer: 85,32 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,1 km/h
Wetter: Sonne, Sonne und etwas Rückenwind
Besonderes: Keine Pannen! Aber leider auch kein Internet im Hotel; daher der Tagesbericht um 1 Tag verspätet.
7:15 Uhr: Von den VIP-Reisen Berlin, die uns auch gestern abend chauffiert haben, werden wir vom Hotel abgeholt und wieder in die Charite gefahren. Bei strahlend blauem Himmel fahren wir durch das morgendliche Berlin. Als der Fahrer nach dem Ziel fragt, schallt es „Hannover“. Der Bus ist klasse, keine Frage, aber will sich da Einer drücken? Im Virchow-Klinikum erwartet uns ein tolles Frühstück. Der ärztliche Direktor der Charite Prof. Frei, Frau Prof. Reinke aus der Transplantationsabteilung und die Senatorin für Gesundheit leisten uns wirklich nette Gesellschaft. Alle sind beeindruckt von so vielen munteren Transplantierten. Die Problematik des Organmangels ist allen klar, eine Lösung wie man den Mangel kurzfristig beheben kann nicht. Nach wie vor ist die Aufklärung der Bevölkerung das Wichtigste – und aus diesem Grund sind wir unterwegs. Gerne sind wir bereit, unseren Teil dazu beizutragen und stehen als Betroffenen gerne für einen Dialog zur Verfügung.
Zum Abschied bekommen wir jeder eine rote Rose von Frau Prof. Reinke. Eine tolle und liebe Geste. Danke.
9:30 Uhr: Wir holen unsere Räder aus dem Nachtlager und bereiten uns auf den Start vor. Um 10:00 Uhr erwarten wir Frau Ministerin Ulla Schmidt, die uns dann auf die Reise schicken wird. Im weißen Saal spielen zunächst die Dandy’s. Herr Prof. Hetzer und Frau Ministerin Schmidt schicken uns mit tollen Worten auf die Reise. Wir als Betroffene wünschen uns in Berlin eine „große Koalition“ für Organspende. Organspende ist ein politisches Thema, aber sicher kein parteipolitisches. Berlin war ein toller Start unserer Radtour. Wir haben uns wohlgefühlt. Danke Berlin.
Auf dem Platz vor dem Deutschen Herzzentrum geht es dann los. Endlich. Die Radler sind alle motiviert bis in die Haarspitzen. Mangels eines geeigneten Startgerätes klatscht Frau Ministerin in die Hände und los geht es. Wir verlassen Berlin in Richtung Norden und steuern Kremmen an. Dank des Rückenwindes kommen wir gut voran und erreichen Kremmen eine halbe Stunde vor der Zeit.
13.30 Uhr: Im historischen Scheunenviertel von Kremmen machen wir Rast. Das war auch dringend nötig, da bei einigen bereits ein kritischer Zustand der Unterhopfung eingetreten war. Gerade bei diesem Wetter kann man fast gar nicht genug trinken. Der Bürgermeister des Ortes heißt uns herzlich willkommen und lädt uns ein, etwas gegen unseren Durst zu tun. Dazu gibt es noch eine leckere Grillwurst.
15.00 Uhr: Nach gut einer Stunde Pause machen wir uns weiter auf den Weg nach Neuruppin, der Fontanestadt. Das Wetter ist nach wie vor gut und der Schiebewind läßt uns schnell vorankommen. Die Landschaft hier ist ein ganz wenig hügelig - aber dafür geht es ja auch immer wieder mal bergab.
17.30 Uhr: Wir erreichen die Neuruppiner Kliniken. Dort werden wir an einem schattigen Plätzchen empfangen – nach der vielen Sonne ein echter Genuß. Wir können hier erst einmal richtig trinken. Bei dem Wetter unbedingt nötig. Das Essen ist sehr lecker und wir können uns toll erholen. Neben Herrn Hoffman und Herrn Bülow von den Neuruppiner Kliniken ist auch Frau Weinert von der Technikerkrankenkasse da. Von der Technikerkrankenkasse und der Firma imtech aus Hamburg werden wir für diese Tour toll unterstützt. Nachdem wir uns gut erholt haben, machen wir uns auf den Weg zu unseren Hotels. Nach ausgiebigem Duschen - der Staub der Brandenburger Heide muss runter; ich weiß jetzt, woher der amerikanische Ausdruck „Eat my Dust“ herkommt - sitzen wir noch lange zusammen und füllen die Wasserreserven. Neben dem Hotel ist ein Tümpel und permanentes Gequake von Fröschen zu hören. Oder sollten wir das letztendlich selbst sein?
Noch ein Wort zum Schluss: Unser Schweizer Mitfahrer hat trotz des flachen Geländes gut mitgehalten. Entzugserscheinungen hinsichtlich des Gebirges hat er bislang nicht. Morgen soll es noch ein bisschen wärmer werden und es stehen 91 km auf dem Progamm.
3. Tag: 31. Mai 2008 - Lange heiße Etappe von Neuruppin über Krümmel bis nach Klink, Müritzsee
Tageskilometer: 116,24 km, gefühlte 140
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,1 km/h
Wetter: Sonne, Sonne und Wind - heute aber auch von vorne
Besonderes: immenser Verbrauch an Wasser. Es gibt wieder Internet - und der 3. Tagesbericht kommt somit pünktlich!
8:00 Uhr: Nach einem guten Frühstück rollen wir aus Neuruppin in Richtung Norden. Bald lassen wir die Stadt hinter uns. Es ist schon morgens relativ warm und wir kommen gut voran. Möglichst viel der heutigen Etappe wollen wir bis Mittag schaffen - wegen der Hitze. Nach der gestrigen Etappe gibt es bei einigen zunächst ein paar Inkompatibilitäten zwischen Gesäß und Sattel; nicht bei jedem ist das heute morgen eine harmonische Verbindung. Die Hauptposition auf den Einkaufszettel von Jürgen 1 und Jürgen 2: Getränke und nochmals Getränke. Die beiden Jürgen’s begleiten uns per Auto und versorgen uns mit Flüssigem, Obst und anderen Leckereien.
Wir radeln zunächst durch die etwas karge Landschaft von Nord-Brandenburg. Was bei so einer Radtour nicht ausbleibt, ist das Verfahren - und so fahren wir etwas mit der Kirche ums Dorf. Unsere erste Station ist am Schloss von Rheinberg. Das Treffen nutzen wir, um die körpereigenen Flüssigkeitsvorräte wieder aufzufüllen. Jürgen beschließt, die lokalen Obsthändler besonders zu unterstützen und kauft dort erst mal Unmengen an Obst, sozusagen „Aufbauhilfe Ost“. Leider dürfen wir an den Erdbeeren nur schnuppern; die gibt erst zu Mittag in Krümmel oder Buchholz. Weiter geht es bei immer höher werdenden Temperaturen. Es ist sehr warm. Die Wege sind teilweise sehr sandig und die gefühlten Kilomenter nehmen schneller zu als die gefahrenen.
14:10 Uhr: Wir erreichen unseren Versorgungswagen. Mit den kleinen „Verfahrungen“ haben wir bereits 80 km hinter uns gebracht. Dieter hat sich tapfer gehalten, aber auch die anderen. An einem schattigen Plätzchen beginnen wir mit Heißhunger die Brötchen und Erdbeeren zu verschlingen (Sorry). Die beiden Jürgens haben alles toll vorbereitet. Den Zustand der totalen Unterhopfung, der sich bei einigen eingestellt hat, konnten wir überwinden. Da unser Zeitplan nun aus den Fugen gerät, rufen wir bei der Müritzklinik an und melden unsere verspätete Ankunft. Die Dialysepatienten wollen noch weiterradeln, auch wenn es mit der Dialyse knapp wird. Toll. Bevor es weitergeht, nimmt Stefan noch ein Bad im Hafen von Sembzin. Trotz der etwas kurzen Pause, aber im Hinblick auf den einzuhaltenden Zeitplan, machen wir uns auf den Weg. Die Strecke haben wir verkürzt, denn viel zu spät wollen wir nicht ankommen. Unser Tempo ist gut. Ein Kompliment an die Radler, von denen einige vor drei Tagen noch nicht wussten, daß man über 100 km an einem Tag mit Fahrrad fahren kann.

16:55 Uhr: Mit großen Hallo werden wir in Sembzin von der Kurklinik Klink empfangen. Viele der Reha-Gäste hatten das Angebot genutzt, uns auf den letzten Kilometern zu begleiten. Angeführt vom Bürgermeister radeln wir die letzten 5 km zur Kurklinik. Mit lautem Autogehupe bringen wir diese letzten Kilometer hinter uns. Und dann fahren wir auf das Gelände der Müritz-Klinik. Ein schöner Park, Schatten, Musik - alles was uns hilft zu regeniereren. Viele Reha-Gäste der Klinik sind mit dabei und von den Leistungen der Radler beeindruckt. Vielleicht macht es Ihnen Mut was wir schaffen und sie trauen sich in Zukunft selbst so etwas zu. Nach der ersten Stärkung - es gibt auch tolles Bier aus einer kleinen Brauerei - gehen wir duschen, um dann um 19.00 Uhr mit dem Grillabend zu beginnen. Es wird ein toller Abend und wir lernen auch noch einige der Gäste kennen. Der Erlös aus dem Verkauf von Bier und Essen geht in unsere Bordkasse. Ganz toll. Ein ganz großer Dank an die Müritz-Klinik und die vielen kleinen und großen Helfer.
4. Tag: 1. Juni 2008 - Klink - Rostock: ein besonderer Tag
Tageskilometer: 114,80 km,
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,5 km/h
Wetter: Sonne, Sonne
Besonderes: noch mehr Verbrauch an Wasser, Umwerfer an Walters Fahrrad abgebrochen, wieder kein Internet - der Tagesbericht kommt daher um einen Tag verspätet
7:00 Uhr: Frühstück im der Müritz-Hotel. Das Ambiente dieses in den 70er Jahren erbauten Hotels hat einen tollen Charme. Alles ist einfach nur groß und das setzt sich im Frühstücksaal fort. Da passen bestimmt 750 Leute rein. Die Radler, die sonst schon etwas auffallen, sitzen versteckt in einer Ecke. Zum Frühstück gibt es eine große Geburtstagstorte - und zwar eine besondere: Unserer Mitradler Franz ist heute 28 Jahre transplantiert. Das ist schon beeindruckend und gibt sicher vielen anderen Mut für ihre eigene Zukunft. Ines, eine Kinderdialyseschwester aus Rostock, kommt mit Ihrer Freundin, um uns von Klink bis nach Rostock zu begleiten.
8:20 Uhr: Nachdem wir uns von den Organisatoren des gestrigen Abends verabschiedet haben - nochmals Danke! - radeln wir los. Noch ist es frisch und nachdem es gestern etwas chaotisch mit dem Gruppenfahren war, rollen wir nun in geschlossener Formation weiter gen Norden. Wir kommen gut voran und genießen die Ruhe abseits der Straßen. Mecklenburg- Vorpommern ist hier ganz schön hügelig. Wir treffen andere Radler und wegen unserer großen Logos der Techniker Krankenkasse denken viele, wir wären auf Betriebsausflug. Dem ist aber nicht so - wir sind in einer anderen Mission unterwegs.

Wir kommen wie im letzten Jahr mit anderen Radlern ins Gespräch. Unter anderem treffen wir einen jung gebliebenen älteren Herrn, der in ganz frühen Zeiten mit Hartwig Gauder im Trainingslager gewesen war. Hartwig Gauder ist herztransplantiert. So schließt sich der Kreis. Nach ca. 40 km nehmen wir das erste Mal Wasser auf. Es ist einfach nur warm. Alle halten gut mit, an den Steigungen zieht sich unser Peleton bisweilen weit auseinander. So viele Hügel hatten wir im letzten Jahr nicht. Und immer weiter geht es nach Güstrow, unserem ersten Tagesteilziel.
13.30 Uhr: Mit etwas Verspätung erreichen wir Güstrow. Für die Kultur - hier gibt es das Barlach-Museum - haben wir keine Zeit. In Güstrow bei den KMG Kliniken werden wir sehr herzlich von Herrn Fischer, dem Verwaltungsdirektor der KMG Kliniken, empfangen. Nach der ersten Getränkeaufnahme sprechen Herr Fischer und der Landrat einige Grußworte an uns. Die Wichtigkeit unseres Themas haben wohl alle erkannt – allein an der Umsetzung des Themas scheint es zu hapern. Gerade die Transplantationszentren sind darauf angewiesen, dass sich die nachgeordneten Krankenhäuser mit diesem Thema befassen und auch engagieren. Die Arbeit dieser Krankenhäuser ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Diese Häuser haben immer den sehr traurigen Teil in der Kette Organspende - Transplantation zu erledigen. Ines kennt viele Schicksale, die unter die Haut gehen - über eines davon haben wir uns kennengelernt.
14:30 Uhr: Mit vielen weiteren Gästen machen wir uns auf den Weg nach Schwaan, wo weitere Radler zu uns stoßen: Prof. Klar vom Transplantationszentrum Rostock, Prof. Scharek, ebenfalls aus Rostock und im Bereich der Nierentransplantation tätig, Frau Dr. Martina Bunge als Sprecherin des Gesundheitsausschusses, die in ihrer Eigenschaft als Ministerin des Landes MV zu den ersten gehörte, die Ausführungsbestimmungen zum Transplantationsgesetz in ihrem Bundesland durchgesetzt hat. Da gibt es in den allermeisten Bundesländern noch reichlich zu tun.
17:00 Uhr: Wir rollen in Rostock ein. Ines führt uns zielsicher durch den „Großstadtdschungel“ zum Stadthafen. Dort spielen die Dandy’s, aber nur wenige Rostocker sind am Hafen und erwarten unseren Einlauf. Das ist sehr schade. Knapp 115 km haben wir hinter uns gebracht. Aber das Bier schmeckt. Der Sozialdezernent der Stadt Rostock, Herr Prof. Klar und auch Frau Dr. Bunge sprechen einige Worte zu den Radlern. Alle versprechen unsere Anliegen zu unterstützen – schauen wir mal.
Nach Bezug unseres Nachtdomizils wird geduscht und dann gehen wir mit Ines und ihrer Freundin noch etwas Esssen. Die Übernachtung erfolgt in einem ganz besonderen Domizil – davon morgen mehr ...
Monika und Ralf verlassen uns heute. Schade, es war eine schöne Zeit. Danke für die Hilfe.
5. Tag: 2. Juni 2008 - Rostock - Schwerin: Inkompabilitäten
Tageskilometer: 106,80 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,2 km/h
Wetter: Sonne, Sonne nochmals Sonne
Besonderes: noch mehr Verbrauch an Wasser, 2 Plattfüße
7:00 Uhr: Frühstück. Die Nacht haben wir gut in unserem Domizil, einem Hotelschiff im Rostocker Hafen, zugebracht. Die „Georg Büchner“ ist ein Schiff, das zu einem Hotel umgebaut wurde oder noch wird, so genau konnte man das bei dem Zustand mancher Zimmer nicht sagen. Einen Kapitän hat das Schiff auch noch. Aber ein Kapitän mit einem am Land festgeschweißten Schiff ist schon ein trauriger Anblick. Schluss mit großer Fahrt. Die haben wir nun vor uns: wieder eine Tagesetappe von mehr als 100 km - zum dritten Mal in Folge.
Aber erst mal zu den Inkompabilitäten:
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Gesäß - Sattel
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Hitze - Radfahren
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Kühles Bier - Straßenverkehr
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Erholung - Radfahren
Vielleicht kann man das Eine oder Andere noch hinzufügen, aber momentan spricht vieles gegen Radfahren und nur weniges dafür. Bislang haben sich alle Radfahrer tapfer geschlagen. Für einige ist es jeden Tag ein kleiner Kampf, aber nur ein kleiner; der Spaß am „Quälen“ überwiegt. Inzwischen hat sich die Gruppe eingefahren und auch die Ausreißversuche an der Spitze werden weniger. Vorne eine orange-rote Weste und hinten eine grell gelbe. Und keiner außerhalb davon.
8:05 Uhr: Es geht los. Über Nebenstraßen verlassen wir Rostock. Noch am Ortsausgang ereilt uns der erste Plattfuß. Die Fahrradprofis beheben ihn aber in schnellen 7 Minuten. Und dann kann es auch weitergehen. Durch hügeliges Gelände - die Schwarzwälder haben mir erklärt, dass es sich keineswegs um Berge handelt - geht es Richtung Wismar weiter. Die Hügel sind die Endmoränen der Gletscher aus der Eiszeit.
11.30 Uhr: Ein Überfall. Aus dem Hinterhalt werden wir angegriffen. Wir sind sprachlos. Sind wir doch nur harmlose Radfahrer. Schnell klärt sich auf, dass Mitradler Jens seinem Hang zum Unsinn frönt und mit einer Wasserpistole - Danke für die Erfrischung! - einen Überfall simuliert. Neben dem Anstrengungsschweiß kommt nun auch noch der Angstschweiß hinzu.
12:20 Uhr: Relativ pünktlich erreichen wir Wismar. Die alte Hansestadt hat einen schönen, großen Marktplatz und dort werden wir von der Bürgermeisterin Frau Dr. Wilken und diversen Pressevertretern empfangen. Dr. Braun hat einige Kollegen und Patienten aus Schwerin mitgebracht. Kühle Getränke und Obst werden den Radlern gereicht. Im Inneren des Rathause ist es 10 Grad kälter und so verlagern wir das Geschehen nach drinnen. Dr. Möws von der Technikerkrankenkasse ist ebenfalls vor Ort und wird die Halbetappe bis nach Schwerin mitradeln. Somit hat sich die Gruppe deutlich vergrößert. An den Gesprächen im Rathaus merken wir, dass nicht überall das Thema Organspende ein wichtiges Thema ist. Einer unserer neuen Mitradler hat ein T-Shirt mit der Aufschrift „ready to transplant“. Das sind viele. Die allermeisten müssen allerdings sehr lange warten und aus „ready for transplant“ wird auch schon mal ein „nogo“, wenn die Sekundärerkrankungen zunehmen.
13:30 Uhr: Und weiter geht’s. Die Radler machen sich auf den Weg. Die Hitze macht uns heute mehr zu schaffen. Unsere beiden Versorgungs-Jürgens sind Wasserträger in wahrsten Sinne des Wortes. Wenn von 35 Radlern jeder um die 3 Liter pro Tag trinkt, kann man sich in etwa ausrechnen, was die beiden zu schleppen haben. Über teilweise schattige Wege geht es weiter. In Bad Kleinen hat Jürgen noch einen schattigen Platz am Wasser gefunden. Die ersten unserer Mitradler wechseln das Sportgerät (Badehose) und wollen den Rest nach Schwerin schwimmen. Nach gutem Zureden verlassen die Schwimmer wieder den See und es geht weiter.
16:45 Uhr: Mit großem Hallo werden wir an den Helios-Kliniken empfangen. Es gibt sofort isotonische Getränke (Weizen alkoholfrei). Auch einige TransDia-Mitglieder haben sich eingefunden - und haben uns Bier mitgebracht. Danke an Annemarie, Traudl, Renate, Hugo, Gunter und Michael. Tolle Unterstützung. Vielen Dank auch an die Helios-Kliniken und alle kleinen und großen Helfer.
Und nun werden wir noch etwas für den Elktrolyt-Haushalt tun …
6. Tag: 3. Juni 2008 - Schwerin-Lübeck: Ab in den Westen
Tageskilometer: 101,24 km,
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,6 km/h
Wetter: Sonne, Sonne
Besonderes: keine Panne

7:00 Uhr: Wir frühstücken im Ramada-Hotel, einem Plattenbau aus den siebziger Jahren und verabschieden dabei Sabine und Hannah. Danke für die nette und liebe Begeleitung. Sind die beiden doch nicht selber betroffen, aber stark an unserem Thema interessiert. Heute machen wir uns auf den Weg nach „Westen“. Bis zu unserem ersten Halt in Ratzeburg sind es etwa 66 km, aber wir haben auch genug Zeit eingeplant. Der Außenbereich von Schwerin ist sehr hügelig, Carlo, der Schweizer, fühlt sich fast wie zu Hause. Im „Großstadtdschungel“ verlieren wir Ulli, merken das aber erst am ersten kleineren Halt. Ursel geht es heute nicht so gut, daher wird sie den beiden Jürgens für den Rest des Tages Gesellschaft leisten und deren Bemühungen uns nicht verdursten zu lassen, unterstützen.
11:45 Uhr: Weiter geht es zunächst bis nach Meetzen, wo wir an unserem Rastpunkt ein Künstlerehepaar kennenlernen. Sie sind erstaunlich gut über unser Thema informiert und es ergeben sich nette Gespräche. Wie immer haben die Jürgen`s ein nettes schattiges Plätzchen ausgesucht. Nun haben wir noch ca. 25 km nach Ratzeburg. Dank des flachhügeligen Geländes und einer gehörigen Portion Rückenwindes sind wir schnell unterwegs und erreichen vor der Zeit Ratzeburg.
13:45 Uhr: Ankunft an den Röpersberg-Kliniken in Ratzeburg. Michael hat sich hier um alles gekümmert. Die stellvertretende Bürgermeisterin, die Presse, der Leiter der Klinik - alle sind gekommen. Es gibt Obst, einen Spezialjoghurt und viel zu trinken. Es müssen nicht immer Nudeln sein - auch in Bananen steckt schnell verfügbare Energie. Überhaupt müssen wir froh sein, dass wir an den Stationen immer versorgt werden – selbstverständlich ist dies nicht. Der Presse ist wie immer viel zu erklären, das machen wir inzwischen gerne. Jan, Sohn von Michael, kommt auch. Ihn habe ich 1996 kennengelernt, war mit ihm 1997 bei den Weltspielen in Sydney. Dann war er 7 Jahre an der Dialyse und ist nun seit September 2007 wieder transplantiert. Und das alles in sehr jungen Jahren. Auch Katrin, ein weiteres Mitglied von TransDia, taucht dort auf. So ein dezentraler Verein hat auch Vorteile.
Nach ausreichender Pause nehmen wir die letzten 24 km nach Lübeck in Angriff. Begleiten wird uns Dr. Winterhoff, ein Dialysearzt, aus Lübeck. Es geht auf einem schattigen Weg entlang des Ratzeburger Sees. Dass ein „local Scout“ sich auch mal irren kann, merken wir als wir unsere Fahrräder die Treppe hoch tragen müssen. Ist aber nicht schlimm. Noch ein Stückchen schwimmen und unser „TX-Triathlon“ ist fertig.
16:00 Uhr: Breaking News. Die erste Wolke seid unserem Start in Berlin zeigt sich am Himmel.
Fast in der Zeit erreichen wir die Uniklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Dr. Nitschke, Herr Cramer und andere Ärzte der Klinik begrüßen uns. Klasse. Und endlich gibt es Brötchen. Wie ein Schwarm Heuschrecken fallen wir über diese her. Eine nette Location, wie man Neudeutsch wohl sagt. Auch wenn die Beine schwer sind - es geht noch auf den Rathausplatz. Dort werden wir gebührend empfangen. Im Rahmen eines allgemeinen Stadtfestes hat Michael uns einen Empfang durch den Senator organisiert.
Der Empfang ist kurz, der Appell aber umso eindringlicher, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen. Hier sind nun sehr viele Zuschauer und so erreichen wir sehr viele Menschen auf einmal.
Dann geht es noch eine Viertelstunde zum Hotel und dort bleiben wir auch den Rest des Abends. Die meisten Radler sitzen abends zusammen und wir haben viel Spaß. Morgen geht es durch die Holsteinische Schweiz. Carlo gib Gas. Er fährt übrigens immer sehr flott, steht dann am Straßenrand und schmeißt Tabletten ein. Der erste Fall von Doping?
Tageskilometer: 84,76 km, Sprintetappe
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,8 km/h
Wetter: Sonne, Sonne - aber endlich etwas kälter
Besonderes: keine Panne
7:00 Uhr: Frühstück in Lübeck. Alle sind guten Mutes. Die Etappe ist etwas kürzer als die anderen. Schnell sind wir außerhalb der Stadt. Es geht gut vorwärts. Nun geht es in die Holsteinische Schweiz. Carlo, unser Schweizer Mitfahrer, fühlt sich in die Heimat zurückversetzt. Ich habe ein zweites Radlerhemd angezogen, nachdem mit Carlo zugerufen hat: Du musst Dich warm anziehen. Okay, kein Problem - mache ich. Und er hat noch gesagt, um ihn zu beobachten, benötigen wir ein Fernglas. Auch Okay. Er hat aber nicht gesagt, in welche Richtung ich schauen soll - nach vorne oder nach hinten. Schnell lassen wir Lübeck hinter uns. Unsere erste Rast ist in Sarau. Wie immer hat die Jürgen-Combo alles perfekt vorbereitet. Wenn wir die nicht hätten ... Weiter geht es in schneller Fahrt in Richtung Plön. Schon vor unserer Zeit treffen wir in Plön ein.
11:30 Uhr: Wir werden sehr herzlich von den Dana-Kliniken empfangen. Bürgermeister Jens Paustian empfängt uns zusammen mit der Leitung der Dana-Kliniken. Herr Paustian ist engagiert und stellt viele Fragen zu unserem Missionsthema. Da tun sich dann weitere Inkompatibilitäten auf - nämlich die der Politiker und wie diese an das Thema herangehen. Ich sage nur Fahrrad - Corvette (für Insider). In vier Wochen findet in Plön die Sitzung der Gesundheitsminister der Bundesländer statt. Herr Paustian wird sicherlich unseren Besuch bei dieser Konferenz erwähnen und das Thema Organspende zur Sprache bringen. Was wollen wir mehr. Die Landesgesundheitsminister sind gute Multiplikatoren für unser Thema. Das, was die Dana-Kliniken auf die Beine gestellt haben, ist toll. Wir sind begeistert. Und es ist nicht selbstverständlich, auch wenn manch einer das meint. Die Gruppendynamik ist in vollem Gange; das bleibt nicht aus. Wichtig ist, das wir für unser Ziel eintreten: die Organspende positiv zu zeigen und aus dem dunklen Winkel der Vorurteile herausholen. Nach einem tollen Mittagessen mit viel Presse geht es weiter in Richtung Kiel. Am Ortsausgang von Rönne verlieren wir vier unserer Mitradler. Per Handy wird ein Treffpunkt ausgemacht und so versuchen wir uns wieder zu finden. Das klappt auch.
15:15 Uhr: In Rönne treffen wir Dr. David-Walek, der in seiner Funktion als Dialysearzt das Thema Dialyse und Bewegung (Sport) etwas wissenschaftlicher betreibt als wir es können. Er erzählt uns, dass schon nach drei Monaten körperlicher Betätigung während der Dialyse (Fahrradergometer) ein messbarer Trainingseffekt eintritt. Vielleicht finden wir mit diesem Arzt einen Multiplikator für unseren Verein.Herr Dr. David-Walek und ein Mitglied des lokalen Vereins IG Niere Kiel begleiten uns nach Kiel zum Assmuss-Bremer-Platz. Frau Dreidemie hat alles toll vorbereitet und viele sind gekommen, um unsere Ankunft mitzuerleben. Ärzte des UKSH, Campus Kiel, Frau Ulrich als Vertretung der Landesregierung und viele andere. Wir werden gut verpflegt, und auch unsere Fahrräder erhalten einen Check - eine gute Idee, klasse gemacht. Und es ergeben sich nette Gespräche mit den Ärzten, weniger über Organspende, aber viel betreffend Sport und Bewegung bei Transplantierten und Dialysepatienten.
18:00 Uhr: Ulli, Ursels treuer Tandem-Kapitän, verlässt uns. Die Arbeit ruft. Er hat Ursel weit gefahren. Nun müssen wir mal sehen, wie wir Ursel sicher auf dem Fahrrad nach Hannover bringen. Die Suche eines Nachtquartiers für unsere Fahrräder ist von Chaos geprägt. Aber nach einiger Zeit ist auch das Problem gelöst. Nach einem ruhigen Abend fallen wir todmüde ins Bett.
Morgen kommt der Hammertag ...
8. Tag: 5. Juni 2008 - Kiel - Bad Bramstedt - Hamburg: Etwas weniger Hügel
Tageskilometer: 106,34 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,1 km/h
Wetter: Sonne, Sonne - wieder etwas wärmer, Wind - auch von vorne
Besonderes: ein Sturz, kein Internet; daher dieser Tagesbericht um 1 Tag verspätet
7:00 Uhr: Kiel. Wir haben die Nacht in einem, sagen wir mal, nicht so vornehmen Hotel verbracht. Aber zum Schlafen reichte es. Der Himmel ist wieder blau. Wenn Engel reisen ... Wir haben drei mitradelnde Gäste: Peter aus Hamburg, und einen herztransplantierten jungen Mann und seine Freundin aus Kiel.
8:00 Uhr: Langsam radeln wir los. Zunächst ist alles noch etwas hügelig, das geht direkt in der Stadt los, aber bald verlassen wir dir Holsteinische Schweiz und radeln auf Neumünster zu. Dieses kleine norddeutsche Städtchen hat leider heftige Probleme mit der Kriminalität. Es geht auf Radwegen weiter in Richtung Bad Bramstedt. Die Räder rollen gut, wir liegen vor dem Zeitplan.
11:30 Uhr: Im Schloss von Bad Bramstedt empfängt uns der Bürgermeister Herr Kütbach. Wie auch sein Kollege aus Plön ist er mit unserem Missionsthema vertraut. Das ist schon mal klasse. Auch der Presse stehen wir Rede und Antwort. Direkt erreichen wir die Bevölkerung nicht ausreichend, das ist uns klar. Wir brauchen die Medien als Multiplikator. Zum Essen gibt es eine leckere Spargelcremesuppe.
12:45 Uhr: Weiter geht’s nun Richtung Hamburg. Wir alle freuen uns auf dem Empfang in der TK-Zentrale in der Bramfelder Straße. Zuvor statten wir den Asklepios-Kliniken, Campus Heidberg, noch einen Besuch ab. Wir liegen gut in der Zeit, bis wir uns kurz vor den Asklepios-Kliniken im Großstadtgewirr verfahren. Schade. Aber nicht zu ändern. Wir werden nett empfangen, es muss nun aber alles in Eile geschehen - denn die Presse an der TK-Zentrale wartet nicht gerne. Dann radeln wir los und direkt an der ersten Kurve passiert es. Annemarie rutscht mit dem Vorderrad weg und stürzt. Nachdem bislang alles gut geklappt hat, ist dies nun der erste Unfall. Annemarie hat äußerlich nur ein paar Schürfwunden, aber innerlich steckt der Schreck tief. Glücklicherweise haben wir noch ein weiteres Begeleitfahrzeug; Annemarei wird die letzten Meter mit dem Auto fahren. Wir radeln weiter. Viele Ampeln bestimmen den Weg durch Hamburg. Doch bald schon hören wir die Musik und sind dann auch am Ziel angekommen. Herr Kollhorst und Frau Sobotta haben alles toll vorbereitet. Wir werden von vielen Menschen ganz herzlich empfangen. Klasse. Zunächst können wir uns stärken und etwas verschnaufen. Dann kommt Heinz-Rudolf Kunze mit kleiner Band. Ganz toll, was die drei da musikalisch abliefern. Gekonnt ist gekonnt. Für TransDia kommt der „Topact“ allerdings erst kurz danach. Katja, eine unserer transplantierten Mitradlerinnen - „Wir radeln weiter, ausruhen können wir uns zu Hause“ - setzt sich auf die Bühne und singt ein Lied von Annett Lousian. Ganz große Klasse, denn viel üben konnte Sie nicht. Danach legen die Dandys wieder los. Wir genehmigen uns ein Bier und stärken uns mit leckeren belegten Brötchen. Mit vielen Gästen kommen wir ins Gespräch und vielen ist die Problematik in den nachgeordneten Krankenhäusern inzwischen bekannt. Da unser Hotel ganz im Süden ist, hat uns die Hamburger Hochbahn AG einen Transfer für unsere Räder und uns spendiert. Danke. Denn die 25 km durch die Stadt hätten uns um diese Zeit nicht mehr gefallen. Es war ein gelungener Abend, dank der Organisatoren von Stadt und Techniker Krankenkasse.
9. Tag: 6. Juni 2008 - Hamburg - Fallingbostel: Pleiten, Pech und Pannen
Tageskilometer: 117,33 km,
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,1 km/h
Wetter: Sonne, Sonne - wieder wärmer, Wind (auch von vorne)
Besonderes: zu viele Unfälle
6:30 Uhr: Hamburg. Die Nacht war kurz. Nun geht es zu den Asklepios-Kliniken in Hamburg Altona. Dieses Krankenhaus engagiert sich sehr im Bereich der Organspende.
7:00 Uhr: Frühstück. Prof. Brause engagiert sich mit seinen Mitarbeitern sehr zu diesem Thema und hinterlässt bei uns einen engagierten und couragierten Eindruck, wobei er seine Ansicht zum Thema Organspende ruhig und sachlich vorträgt. Das Frühstück ist klasse. Frau Sobotta hat auch hier organisiert. Und mit drei Stationen in Hamburg werden wir der großen Stadt gerecht.
8:20 Uhr: Wir radeln los. Peter unser „local Guide“ bringt uns auf schnellstem Wege an die Elbe. Längs der Elbe fahren wir in Richtung alten Elbtunnel. Im Hafengebiet ist nicht so gut radfahren. Und dann passiert es. Dieter 1 stürzt an irgendwelchen Metallschienen. Er hat Schmerzen, fährt aber weiter.
Bald erreichen wir den alten Elbtunnel. Per Fahrstuhl fahren wir auf den Grund der Elbe. Um Fotos zu machen, steige ich vom Fahrrad ab. Und dann passiert es. Irgendwo stoße ich mich am Fahrrad und blute relativ heftig. Mit dem von den Asklepios-Kliniken ausgehändigten kleinen „Reparaturset für menschliche Zwischenfälle“ bekomme ich die Sache in den Griff. Oben am Elbtunnel verbindet mich Antonina dann professionell. Es reicht jetzt.
Wir fahren weiter durch das Hafengebiet südlich der Elbe und bewegen uns langsam nach Süden. Ganz einfach ist die Navigation nicht, und so brauchen wir deutlich mehr Zeit als vorgesehen. In der Hektik kommt es dann zu einem weiteren Unfall. Dieter 2 stürzt und somit haben wir nun den dritten Unfall heute. Das ist nicht gut.
Durch die Hamburger Berge geht es weiter und nach vielen Kilometern erreichen wir den Stadtrand. Da wir kein festes Mittagsziel haben, sucht die “Jürgen-Gang“ einen Pausenort. Belegte Brötchen und Obst stärken uns. Meine Verletzung hat mich etwas aus dem Rhythmus gebracht. Ich mache einen halben Tag Pause. So bekomme ich mal mit, was für einen Stress die beiden Jürgens haben. Einladen, Einkaufen, Dialysepatienten zur Dialyse, alles ausladen, dann die Fahrräder der Dialysepatienten wieder abholen, und wieder zurück zum Hotel, Müll entsorgen etc. Es ist toll, was die beiden leisten. Kein Dank kann groß genug sein. Selbstverständlich ist das alles nicht; die beiden sind ja keine bezahlten Dienstleister. Das muss man sich immer mal wieder vor Augen führen. Wenn die Radler am Duschen sind, sind die beiden immer noch beschäftigt.
18:30 Uhr: Die Radler kommen in der Klinik- Fallingbostel an. Sie werden vom Direktor empfangen und haben die Möglichkeit, das Abendessen in der Klinik zu beziehen. Die beiden Jürgens haben noch nicht mal die Zeit, dort mit zu essen und müssen das abends nachholen. Ruhig lassen wir den Abend ausklingen. Die Unterkunft ist klasse. Alles ist sehr stilvoll eingerichtet und die Inhaberin ist sehr nett und freundlich. Hier haben wir uns wohl gefühlt.
Morgen kommt die letzte Etappe nach Hannover!
10. Tag: 7. Juni 2008 - Fallingbostel - Hannover: Der letzte Tag
Tageskilometer: 88 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,3 km/h
Wetter: Sonne, Sonne
Besonderes: Es keiner mehr vom Fahrrad.
06.30 Uhr: Frühstück. Wieder müssen wir früh raus, denn die Strecke ist weit und wir müssen schon um 14:30 Uhr in Hannover sein. Alle würden gerne mal ausschlafen. Jeden Tag so viele Kilometer sind schon anstrengend. Unseren Dialysepatienten hat Jörg eine Dialyse am Vormittag spendiert, so dass alle Teinehmer ins Ziel radeln und am letzten Abend zusammensitzen können. Die Dialysepatienten werden per Auto nach Langenhagen gebracht. Dort werden wir sie - wenn alles glatt abläuft - um 13:15 Uhr treffen.
07:30 Uhr: Die Radler legen los. Berge wird es auf dem Weg nach Hannover nicht geben. Da sich auch der gestrige Wind gelegt hat, fahren wir zügig.
11:30 Uhr: Die erste Rast erreichen wir nach Plan und es sieht gut aus für eine pünktliche Ankunft in Hannover. J. R. und J. K. haben wieder einen köstlichen Imbiss bereitet. Zwischen 50 und 80 Liter Getränke müssen die beiden Jürgens jeden Tag einkaufen, um uns bei Laune zu halten. Einige trinken gerne auch mal ein Gläschen Cola - wenn die Tour vorbei ist, wird Coca-Cola in die roten Zahlen kommen ... Nach kurzem Aufenthalt an diesem schattigen Plätzchen geht es weiter Richtung Langenhagen.
13:00 Uhr: Wir besuchen Lotte, Ursel und Frank an der Dialyse in Langenhagen und lernen dort auch den Arzt kennen. Dort haben wir nicht den Eindruck, dass er unsere Aktion für gut hält oder gar unterstützt. Schon bei der Dialyse gestern Abend fühlten sich unsere Mitradler nicht so ganz wohl. „Dialysezeit ist Lebenszeit“ ist unser Slogan, was die Dialysepatienten betrifft. Das heißt aber nicht, dass wir ihnen nicht eine schnelle Transplantation wünschen. Unsere Mitradler warten alle darauf, manche schon sehr lange. Man hat den Eindruck, dass bei manchem Dialysearzt die Angst besteht, seine Patienten würden alle „wegtransplantiert“ werden. Dem ist nicht so. Momentan haben wir einen Nettozuwachs an Dialysepatienten von 4000 pro Jahr, da kann man kaum gegen an transplantieren. Lottes Schwester Lara, die in Hannover studiert, kommt zur Dialyse und führt uns an den Karmaschplatz.
13:30 Uhr: Alle schwingen sich auf’s Rad, auch unsere Rekonvaleszenten. Und nun geht es auf die letzten Kilometer dieser Radtour „pro Organspende“ 2008.
14:30 Uhr: Wir treffen am Karmaschplatz ein. Die Kameras laufen. Hoffentlich gibt es einen netten Bericht im Fernsehen, der unser Anliegen auch in unserem Sinne weiter trägt. Frau Dr. Albers, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft für Nephrologie (GfN) hat alles toll vorbereitet. Wir freuen uns alle diese Tour zu beenden, haben aber auch etwas Wehmut. Ob wir in der Öffentlichkeit das Gleiche erreichen wie im letzten Jahr, bleibt abzuwarten. Schauen wir mal, was wir an Rückmeldungen per Presse erreichen.
19:00 Uhr: Die GfN lädt uns alle zum Essen ein. Ein netter Abschluss. Vielen Dank an die GfN und an Frau Dr. Albers.
Platz 1:
„Schön, dass sie durch die Gegend radeln und Organe spenden wollen.“
Kommentar: siehe Bild ...
Platz 2:
„Jetzt wird geradelt, ausruhen können wir uns zu Hause.“ (K. aus B.)
Kommentar: Stimmt, aber im Anblick eines Berges wenig tröstlich ...
Platz 3:
„Das ist ein Ausflug der Techniker Krankenkasse; die Dicken sitzen im Büro und die Dünnen dürfen radeln.“ (ein Passant während einer Pause)
Kommentar: Keiner
Platz 4:
Antwort unseres Radfahrerkollegen Peter nach dessen Standort: „Gaststätte Sepperle“
Keiner der ortsansässigen Menschen konnte uns einen Hinweis auf diese Gaststätte geben. Nach einigem Radeln fanden wir Kollegen Peter vor der Gaststätte „Seeperle“.
Kommentar: Hmm, sollte es doch noch sprachliche Barrieren geben?
Platz 5:
„So, nun fahren sie mal weiter; Sie sind gesund und trainiert und mir ist zu warm“ (Ein Nichttransplantierter Mensch zu transplantierten Menschen)
Kommentar: Auch Gesunde können sich fit halten.
Organspende schenkt Leben!

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