

Aktion für mehr Organspenden - Webtagebuch
Noch immer sterben in Deutschland jeden Tag 3 bis 4 Menschen, weil nicht genügend Organe für Transplantationen gespendet werden. Denn bei uns ist die Bereitschaft zur Organspende noch immer sehr gering.
Mit der Radtour „pro Organspende“ möchten Transplantierte die Öffentlichkeit für das Thema Organspende sensibilisieren und zeigen, dass die Transplantationsmedizin eine Erfolgsgeschichte ist - mit Unterstützung von Novartis.

Hier erhalten Sie Einblicke: Lesen Sie die Tagesberichte von Wolfgang Ludwig, seit 17 Jahren nierentransplantiert und Teilnehmer der Radtouren „pro Organspende“ 2007 und 2008.
2007
Tagesberichte von der Radtour "pro Organspende" 2007
1. Tag: 21. Juli 2007 - Prolog Münster - 37 km - Münster
Wetter: Sonne, 22 Grad, kaum Wind
14.30 Uhr: Professor Roeder gibt den Startschuss zur Radtour „pro Organspende“. Neben unseren Dauerfahrern haben sich zahlreiche Tagesgäste eingefunden.
Ca. 50 Personen machen sich auf den Prolog. Presse und sogar das lokale Fernsehen haben sich am Turm West eingefunden. Neben Prof. Roeder beteiligen sich Prof. Breithard und Prof. Scheld (Herztransplantation) an diesem Prolog. Der Regierungspräsident lässt sich durch Herrn Hagemann (Abt. Gesundheit) vertreten.
15.00 Uhr: Ein lauter Knall unterbricht die Gespräche der Mitfahrer. TransDia und seine Gäste rollen die lange Rampe vom Turm West hinunter und nehmen Kurs auf das Brauhaus Klute in Havixbeck. Maike (9), profunde Kennerin der Radwege im Westen von Münster, gibt das Tempo. 17 km/h im Schnitt haben wir uns zum Ziel gesetzt. Nach 4 km kommen wir am Haus Rüschhaus, zeitweiliger Wohnsitz der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, vorbei. Einigen der Mitfahrenden ist diese Dame noch aus dem Schulunterricht bekannt (mir auch). „Die Judenbuche“ hieß das Werk, mit dem wir damals „gequält“ worden sind. Durch die münsterländische Parklandschaft radeln wird weiter und erreichen nach ziemlich genau einer Stunde das historische Brauhaus Klute.
16.45: Nach einer ordentlichen Pause, viel Spaß und guten Gesprächen (auch über unser Thema!) geht es weiter in Richtung Mühlenhof, dem Zielort des Prologes. Der Weg zum Mühlenhof beinhaltet eine „Bergwertung“. Aber auch das ist kein Problem. Weder für die Transplantierten und Dialysepatienten - und auch unsere „gesunden“ Gäster überwinden diese Hindernis. Über Roxel erreichen dann den Mühlenhof.
Abends: Das Konzert der Dandys.
Die Dandys sind schon fleißig dabei, gute „Stimmung“ in die historischen Gemäuer des Mühlenhofs zu bringen. Zunächst müssen sich unsere Protagonisten stärken, Würstchen und Bier bringen die meisten schnell in Schwung. Die Dandys haben noch Freunde aus alten Zeiten mitgebracht. Steffi Stephan (aus dem Panikorchester von Udo Lindenberg) und Jörlich vom Tanzpalais sind mit von der Partie. Auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist mit Herrn Dr. Raidt, Chefarzt vom Franziskus-Hospital in Münster dabei. Mit guten Wünschen und dem Ruhrgebietsgruß „Glück auf“ werden wir zur Tour verabschiedet.
Der Prolog war ein voller Erfolg, die Stimmung gut.
Leider wird die Nacht kurz. Aber Spaß muss auch sein. Morgen melde ich mich wieder, wenn wir die ersten „richtigen“ Kilometer hinter uns gebracht haben.
Song des Tages: Live is Life (The opus)
2. Tag: 22. Juli 2007 - Münster - 53 km - Hamm - 31 km - Unna-Massen
Wetter: sonnig, ein paar Wolken, nicht zu warm
Gesamtkilometer: 88,89 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,1 km/h (ohne Pausen)
Sonstiges: kein technischen Ausfälle
8:30 Uhr: Nun wird’s ernst. Die ersten 88 km stehen auf dem Programm. Dr. Hoffmann, ein Dialysepatient seines Dialysezentrums sowie eine Dialyseschwester und ihr Ehemann begleiten uns bis nach Hamm zur St. Barbara Klinik. Mit den neuen Radtrikots geht das Fahren gleich leichter. Am Aasee vorbei und durch Mecklenbeck radelnd lassen wir Münster bald hinter uns. Mit unseren Trikots mit der Aufschrift Radtour „pro Organspende“ erregen wir etwas Aufsehen. Eine jüngere Dame fragt, ob wir Organe spenden wollen; sie hatte aber wohl etwas völlig falsch verstanden und mit ein paar erklärenden Worten sind wir wieder um ein paar Organspendeausweise leichter geworden. Kathrins Kartenmaterial ist gut und im Laufe dieses ersten Tages haben wir uns kein einziges Mal verfahren. Vor Hamm erwartet uns dann die erste Bergwertung, nach knapp 50 km aber nur eine kleine Herausforderung.
Fast pünktlich erreichen wir Hamm und werden mit großem Beifall empfangen. Dr. Pfleiderer, der dortige Chefarzt, lobt unsere Idee. Frau Kleditsch hat alles prima vorbereitet und so konnten unsere Mitglieder wieder ihre „Kraftspeicher“ ausfüllen. Herr Burkert, Mitglied des Landtages und im Gesundheitswesen tätig, versprach, dieses Thema auch künftig hochzuhalten.
14:00 Uhr: Aufbruch zum 31 km langen Reststück. Durch die ortskundigen Mitfahrer des Dialysezentrums Hamm werden wir durch die Stadt in Richtung Bönen geführt. Unterwegs treffen wir immer wieder Menschen, die uns zu unserem Thema befragen und von uns mit Organspendeausweisen versorgt werden.
16:30 Uhr: Ankunft am Hotel Heidehof. Jürgen, der unseren Begleitwagen fährt, hat schon die Zimmerschlüssel besorgt und das Gepäck auf die Zimmer gebracht. Mehr Service geht nicht. Danke. Mit Duschen und etwas Ausruhen verbringen wir die Zeit, bis Dr. Schulte-Vorwick kommt, der diese Radtour großzügig finanziell unterstützt hat.
Nach den 88 km haben wir uns ein leckeres Essen organisiert; Jürgen hatte schon Erkundigen eingezogen und einen Tisch reserviert. Beim Essen bekommen wir von Herrn Dr. Schulte-Vorwick einen Siegerpokal überreicht: „1. Sieger Radtour pro Organspende Unna 2007“ ist dort eingraviert. Eine wirklich nette Geste und mit wirklich großem symbolischen Wert: Denn Sieger sind alle Mitradler. Nach Transplantation, und damit nach Überwindung einer schweren Krankheit, wieder so leistungsfähig zu sein, ist schon eine Riesensache. Beim Essen reden wir viel über das Thema, und wir sind uns einig, das das Thema Organspende immer wieder in die Öffentlichkeit gehört. Familie Schulte Vorwick muss uns dann etwas früher verlassen. Wir sitzen noch gemütlich beisammen und unser bayrischer Mitradler führt in die Ruhrgebietsgastronomie das Getränk „Russe“ ein. Das ist Weizenbier mit Zitronenprudel. Als wir das Restaurant verlassen, stellen wir fest: Die nette Familie Dr. Schulte-Vorwick hat uns auch noch das Essen bezahlt. Danke Dr. Schulte Vorwick. Danke Unna!
Song des Tages: The Journey (Tommy Emmanuel)
3. Tag: 23. Juli 2007 - Unna-Maassen - 45 km - KK Bochum - 15 km - Witten
Wetter: ganz wenig Sonne, ein paar Wolken, nicht zu warm
Gesamtkilometer: 86,14 km (gefühlte 110 km!)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,1 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 46,1 km/h (bergab mit angelegten Ohren)
Sonstiges: kein technischen Ausfälle
9:05 Uhr: Mit einigen Minuten Verspätung geht es auf die Reise. Den gestrigen Abend haben wir noch gut in Erinnerung; es hat allen großen Spaß gemacht. Das Frühstück war gut und schon dort finden wir Abnehmer für die ersten Organspendeausweise. Wir wollten uns gesund ernähren, doch die Diskussion zwischen einer Humanmedizinerin (Mitfahrerin) und einem Tierarzt (unser Mädchen für alles, aber wirklich alles) über die schnell verfügbaren Kohlenhydrate hat den ganzen Essenplan über Bord geworfen mit dem Resultat: Alles wird gegessen. Wir sind ja auch keine Rennpferde, sondern eher „Radtouristikfahrer“ in einer besonderen Mission. Die Beine sind nach dem zweiten Tag nicht mehr ganz so leicht, aber nach einigen Kilometern geht es wieder flott vorwärts.

Auf dem Ruhrtalradweg ist die Hölle los, wie in Münster zu Zeiten des Berufsverkehrs. Wir entdecken die entspannende Wirkung gleichmäßiger sportlicher Bewegung. Auf dem gut ausgebauten Radweg rollen wir mit ca. 23 km/h unserem ersten Zielpunkt entgegen. Bei „Haus Ruhr“ haben wir uns mit der Presse verabredet. Denn unser Anliegen werden wir weiter verfolgen: Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Organspende. Nun müssen wir etwas Gas geben, um das Knappschaftskrankenhaus zu erreichen. Die ersten Trainingseffekte stellen sich ein und wir können unsere Geschwindigkeit weiter steigern. Allerdings macht uns das bergige Bochum am Ende etwas zu schaffen. Mit etwas Verspätung erreichen wir Bochum. Der Empfang ist herzlich. Prof. Viebahn sowie Frau Wicher und ihre KollegInnen haben ganz schön etwas auf die Beine gestellt. Nach einem guten Mittagessen fahren wir mit Patienten aus Bochum eine Runde im Süden von Bochum und erreichen unser Ziel: Grillen am Kemnader See.
Seit der Ankunft in Bochum begleitet uns auch ein Team des Regionalfernsehens. Somit haben wir die Möglichkeit, mit unserem Anliegen eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.
Das Grillfest haben Frau Wicher und ihre KollegInnen schön organisiert; selbst der einsetzende Nieselregen trübt die Stimmung nicht. Abseits der Kamera kann man den Redakteuren des Fernsehens noch eine Menge Informationen zum Thema Organspende geben. Und ich hoffe, dass Sie sich dieses Themas annehmen und auch in Zukunft darüber berichten werden. Denn nach wie vor versterben drei Menschen pro Tag, weil ein lebensrettendes Organ nicht zur Verfügung steht. Das darf nicht egal sein. Unsere beiden Dialysepatienten haben vom Nachmittag und dem Grillfest leider nichts mitbekommen: Sie mussten dialysieren. Neben den gesundheitlichen Einschränkungen merkt man gerade an solchen Tagen auch die enorme zeitliche Belastung. Drei Mal die Woche über vier bis sechs Stunden muss diese Nierenersatzthearpie durchgeführt werden. Wünschen wir den beiden eine baldige Transplantation!
Glück auf! Und wie man hier im Ruhrgebiet sagt: Morgen mehr.
Motto des Tages: Die Entdeckung der entspannenden Wirkung gleichmäßiger sportlicher Bewegung
4. Tag: 24. Juli 2007 - Witten - 12 km - Hattingen - 40 km - Essen
Wetter: Regen, Regen, Sintflut, Trocken, Regen, Sonne, Wolken, Regen, Trocken. Das ganze mit viel Wind - von vorne.
Gesamtkilometer: 48,33 km (Sprintetappe)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,1 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 30,4 km/h (bergab mit angelegten Ohren, aber Gegenwind)
Sonstiges: kein technischen Ausfälle.
9:30 Uhr: Start am Hotel. Frau Dr. Höhmann-Riese und ihr Mann holen uns am Hotel ab. Es regnet. Nach dem auch die Letzten von uns mit einem persönlichen Anruf und äußerst liebevollen Worten („Du Weichei, wir sind doch nicht zum Vergnügen hier“) zum Verlassen der Hotelzimmer aufgefordert werden konnten, setzen wir uns langsam in Bewegung. Nach gut einem Kilometer haben wir die Dialysepraxis erreicht und werden mit großem „Hallo“ begrüßt. Ein Vertreter der Stadt war auch anwesend. Das wir bei diesem Sch…wetter überhaupt aufs Fahrrad steigen, haben alle bewundert. Ein zweites Frühstück wurde gereicht und wir hatten wieder viel Gelegenheit, anwesenden Pressevertretern einiges zum Thema Organspende zu erzählen. Wir sind erstaunt und zugleich erfreut, welches Interesse wir hervorrufen. Der Weg nach Hattingen ist nass.

Unser Ziel in Hattingen ist das Dialyse-
zentrum Dr. Heine. Und wo liegt es? Auf dem Berg! Offensichtlich gibt es in der Landesbau-
ordnung einen Paragraphen, der das Bauen von medizinischen Einrichtungen auf dem Berg vorschreibt. Da wir aber pfiffig sind, haben wir dafür dann den Fahrstuhl genommen.
Herzlicher Empfang der Doktoren und des Praxispersonal und prima Essen, Canapes und Salate, Erfrischungsgetränke und wichtig bei diesem Wetter: warmer Kaffee. Toll. Vielen Dank.
Nach knapp zwei Stunden machen wir uns wieder auf den Weg zum Tagesendziel: das Transplantationszentrum Essen. Frau Abel hatte dort alles vorbereitet, inkl. warmen Kakao. Prima Service, der uns allen gut getan hat. Die Selbsthilfegruppe der Lebertransplantierten und die DSO haben Stände aufgebaut, um Interessierten Infos zum Thema Organspende zur Verfügung zu stellen. Prof. Broelsch, Chef der Lebertransplantation, sowie Prof. Schmidt von der Klinikleitung haben uns mit kurzen Ansprachen begrüßt. Prof. Schmidt ist gebürtiger Österreicher und kennt von seinem Land her ganz andere gesetzliche Rahmenbedingungen. Er möchte die „störrischen Deutschen“ wie er sagte, auch in diese Richtung bewegen.
19:00 Uhr: Ronald McDonald Haus. Frau Renate Abel von der DSO und Prof. Phillip vom TX-Zentrum Essen haben uns zum Grillen eingeladen. Auch Frau Dr. Wirges, die Leiterin der DSO Region NRW, war da und hat uns alles Gute für die kommenden Tage gewünscht. Circa zwei Kilometer von unserer Unterkunft entfernt befindet sich diese Einrichtung, die Unterkunft für Familien und Angehörige von schwerkranken Kindern ist, die einer längerer Behandlung im Klinikum Essen bedürfen.
Architekt dieses Hauses war Friedensreich Hundertwasser, dessen Häuser sich durch eine besondere Architektur auszeichnen. Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Wir wollten dies zu einem kleinen Spaziergang nutzen, aber nach einigen Protesten („Ich habe doch keinen Wanderurlaub gebucht“) haben wir uns für ein Taxi entschieden. Der Taxifahrer war bemüht, doch in seinen Gedanken wohl noch in Istanbul. Gott sei Dank war er lernfähig, so dass er nach gutem Zureden einfach der Beschilderung gefolgt ist. „Hundertwasser ist andere Stadt“ - wir sind dann aber doch in Essen geblieben. Die Hausleitung hatte für die Gäste des Grillabends noch eine Hausführung vorbereitet und so haben wir noch eine ganze Menge über den Architekten erfahren.
Das Paralleluniversum
Mitten in den Grillabend platzt die nächste Bombe. Schon wieder ein Dopingfall. Schnell wird klar, dass wir wieder nicht gemeint sind, sondern unsere Freunde in Frankreich. Sollten die doch vor den Dopingtests einfach noch Intelligenztests für die Fahrer durchführen. Vielleicht hilft das.
Song des Tages: One more rainy day (Deep Purple)
5. Tag: 25. Juli 2007 - Essen - 35 km - Mülheim - 24 km - Duisburg
Wetter: Sonne, Wolken - und trocken!!!
Gesamtkilometer: 84,07 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,97 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 32,8 km/h (bergab, aber Gegenwind)
Sonstiges: kein technischen Ausfälle
9:00 Uhr: Start am Hotel Fortuna.
Prof. Philipp, Chef der Nephrologie in Essen, wird uns diesen Tag begleiten. Kerstin Klee (lungentransplantiert) wird die nächsten zwei Tage die Frauenquote verstärken, und Detlef (herztransplantiert) fährt mit uns zurück nach Duisburg, nachdem er von dort früh morgens mit der Bahn nach Essen gekommen war. Die Etappen sind heute übersichtlich. Zum Einfahren geht es den alten Essener Bahndamm entlang, leicht bergab und gut geeignet, um warm zu werden. Bernd, unser „local Scout“ (er wohnt in Mülheim) kennt sich hier bestens aus und fährt mit der Präzision eines Uhrwerks vorne weg. Es rollt gut. Mittlerweile sind wir hier im Ruhrgebiet auch schon ein bisschen bekannt. Prof. Philipp und Bernd kennen sich mit alten Gebäuden aus und können uns viel dazu erzählen. Wir lernen das Ruhrgebiet von seiner grünen Seite kennen.
12:00 Uhr: Pünktlich erreichen wir Prof. Windeck im Marien-Hospital und werden zu einem guten Essen eingeladen. Wie immer etwas Presse, die wir mit Bildern, Informationen und Interviews versorgen. Die Selbsthilfegruppe unter Leitung von Frau Roetgen hat sich mächtig ins Zeug gelegt; drei weitere Mitfahrer schließen sich uns für die Nachmittagsetappe an. Wir sind jetzt in Mülheim und unser „local Scout“ weiß viel über die Stadt zu erzählen. Während des Mittagessens gelingt uns noch die spektakuläre Übergabe von Organspendeausweisen an die Arbeiter auf einer Hubbühne in 20 m Höhe. Wir lassen nichts unversucht.
13:30 Uhr: Abfahrt mit unseren Gästen und etwas Temporeduzierung, sozusagen aktive Erholung auf dem Rad. Weiter geht es entlang der Ruhr bis zur Ackerfährbrücke. Von da schlagen wir uns durch die Stadt bis zum Evangelischen und Johanniter Krankenhaus in Duisburg-Nord.
15:30 Uhr: Unsere Gäste und wir erreichen wohlbehalten das Krankenhaus. Prof. Scherer vom Krankenhaus und Frau Dr. Breuer von der DSO haben dort einiges vorbereitet und viele Mitarbeiter empfangen uns, auch Studenten der Universität Düsseldorf. In diesem Krankenhaus wird nicht transplantiert, es engagiert sich aber sehr bei der Organentnahme. Diese Krankenhäuser stehen wenig im Blickpunkt der Öffentlichkeit, aber ohne diese Einrichtungen wäre die Transplantationsmedizin nicht möglich. Wir besuchen diese Krankenhäuser im Rahmen unserer Radtour „pro Organspende“, um den Mitarbeitern zu danken und deren Motivation für dieses Thema hochzuhalten. Frau Dr. Breuer und Herrn Prof. Scherer danken wir für ihr Engagement bei unserer Radtour.
17:30 Uhr: Kathrin muss zur Dialyse. Der Rest macht sich unter Führung von Bernd auf dem Weg zum Hotel. Da wir noch Lust am radeln haben, fahren wir zunächst an den Rhein, wo an einem Biergarten ein „Nothalt“ nötig wird: Auffrischung der Elektrolyte. Wir wählen die Form von Weizenbier. Peter erklärt der örtlichen Gastronomie erneut, was ein „Russe“ ist. Wir haben inzwischen einen weiteren Missionsauftrag. Mit viel Spaß radeln wir dem Hotel entgegen und verbringen den Abend in einem nahe gelegenen Restaurant mit relativ kleinen Nudelgerichten (ich musste zwei bestellen, war gar nichts).
6. Tag: 26. Juli 2007 - Duisburg - 39 Km - Düsseldorf - 55 km - Köln
Wetter: Sonne, ein paar Wolken und - immer noch - trocken!
Gesamtkilometer: 94,13 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,41 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 35,51 km/h
Sonstiges: kein technischen Ausfälle
8.30 Uhr: Etwas früher als sonst sind wir startbereit, viele Kilometer liegen vor uns. Zunächst geht es durch Duisburg, was wir damit mit dem Fahrrad von Nord nach Süd durchquert haben, wahrlich eine Pioniertat. Walter und Gerd hatten sich morgens am Start eingefunden, Gerd für einen Tag, Walter für den Rest der Tour. Es geht nun in Richtung Kaiserswerth.
10:00 Uhr: Es kommt noch „eine Lunge“ dazu: Wir treffen auf dem Rheinradweg Fabian, unseren jetzt jüngsten Teilnehmer, und machen uns gemeinsam auf den Weg nach Düsseldorf zum Gesundheitsministerium. Da wir ein gutes Tempo vorlegen, haben wir an der Düsseldorfer Rheinpromenade noch Zeit für einen Kaffee. Man könnte den Tag auch ohne Radfahren verbringen und trotzdem Spaß haben. Aber die Pflicht ruft und so machen wir uns auf zum Ministerium.
12:00 Uhr: Da Minister Laumann in Urlaub weilt, werden wir von Frau Dort empfangen. Wir stellen uns alle vor und im Gespräch, welches auch die gesetzlichen Regelungen zur Organspende streift, tauschen wir unsere Positionen aus. Auch wenn wir im Detail nicht immer gleicher Meinung sind: Im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium haben wir Mitstreiter in unserer Sache.
15:35 Uhr: Wir kommen in Leverkusen an. Frau Floto von der Firma Shire wird uns die letzten Kilometer begleiten. In der Praxis Dr. Henker werden wir nett empfangen. Die Bürgermeisterin Frau Goldmann sowie Dr. Ferber von der IG Köln sind auch gekommen und geben Statements zur Organspende ab. In punkto Öffentlichkeitsarbeit erreichen wir auf unserer Tour eine ganze Menge.
16:15 Uhr: Der Endspurt beginnt, die letzten 18 km zum abendlichen Grillfest bei Shire werden in Angriff genommen. Der Duft des Grillguts scheint uns schon zu erreichen, denn das Tempo wird weiter gesteigert. Den Rhein entlang geht es Richtung Süden.
Shire-Grillfest

17:28 Uhr: Es hat geklappt: Wir sind pünktlich bei Shire angekommen. Herzlich werden wir empfangen, 90 km haben wir in den Beinen. Frau Hoffman hat alles gut organisiert; Herr Klaiber und andere Mitarbeiter der Firma Shire begrüßen uns. Herr. Dr. Leidel, Leiter des Gesundheitsamtes, sowie Herr Klaiber sprechen zum Thema Dialyse und Organspende. Die anwesenden Reporter scheinen auch manches Neues zu hören, denn sie notieren fleißig. Es ist ein gelungener Abend, mit viel Spaß, gutem Essen und gutem Bier. Ein toller Tag für uns und unsere Sache.
21:30 Uhr: Mit Frau Floto gehen wir noch einen (!) Absacker trinken. Unsere zweite Mission, den „Russen“ unter die Leute zu bringen, haben wir für heute unterbrochen. Im Gebiet des Kölsch ist das schier unmöglich. Selbst Bernd nimmt nun reines Bier zu sich; in diesen Zeiten sollte man auf Nahrungsmittel unklarer Herkunft verzichten (siehe zum großen westlichen Nachbarn).
Für Kerstin war es heute der letzte Tag. Kerstin engagiert sich mit ihrem Verein Transplantationsbegleitung ganz nah an den Patienten. Ihrer wertvollen Arbeit sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Wir hatten jedenfalls mächtig Spaß und sind froh, sie kennen gelernt zu haben - und hoffen, dass wir sie bei der DM treffen werden. Denn Volleyballerinnen können wir noch gut gebrauchen. Auch beim Radwettbewerb würde Sie eine gute Figur abgeben; wir würden dann speziell für sie jemanden zum „Scheuchen“ engagieren (Sorry, couldn’t resist). Das ist keine Wallfahrt, sondern eine Mission. Auch Jürgen, die gute Seele des Begleitfahrzeuges, macht sich nach einer Woche auf den Heimweg. Seine „Rundum“-Betreuung haben wir sehr genossen. Vielen Dank Jürgen.
Song des Tages: A long and winding road (The Beatles)
7. Tag: 27. Juli 2007 - Köln - 0 km: Ruhetag mit Wellnes im Agrippabad
Heute ist relaxen angesagt. Auf Einladung von Herrn Achim Fischer (Kölner Bäder AG) verbringen wir einige Stunden im Sauna- und Wellnessbereich des Agrippabades.
Wir haben verschiedene Dampfbäder und Saunen getestet und dabei gemerkt: Schwitzen geht auch ohne Bewegung.
Nachmittags haben wir noch die Räder zum Start an die Ostmerheimerstraße gebracht. Mehr war nicht.
Morgen gibt’s mehr!
Song des Tages: Feel so good (Chuck Mangione)
Nachtrag: Spät am Abend, nach Absenden des Tagesberichtes, haben wir uns wieder unserer zweiten Mission (ab welchen Breitengrad ist das Getränk „Russe“ bekannt) hingebungsvoll gewidmet. Die Bedienung in Rodenkirchen kannte einen „Russen“ und die Freude bei Peter war groß - bis er es sah: ein trübes Gemisch mit Geschmack nach Banane. Ein Anschlag auf die Gesundheit eines Transplantierten, zu dem chronisch Kranke keine verunreinigten Getränke zu sich nehmen sollten. Zu allem Überfluss wurde das Weizenbier auch noch in homöopathischen Dosen serviert (0,3 l): Baby-Weizen. Richtig perfide wurde es, als unsere Bedienung sich auch noch als Pharmareferentin „outete“. Wurde sie womöglich von unserem westliche Nachbarn geschickt, um unsere Tour zu gefährden? Die Dopingkontrollen am heutigen Tage haben wir ausgesetzt. Denn wer Bananensaft ins Weizenbier kippt, ist zu noch ganz anderen Dingen fähig. Eine Frage bleibt: Wieso muss eine Pharmareferentin im Nebenjob Bier ausschenken (oder umgekehrt)? Wir haben diese Dame dann Frau Dr. Anna Bolika getauft. Von diesen neuen Entwicklungen völlig überrascht, haben wir dann „schnelle“ das Bett aufgesucht.
8. Tag: 28. Juli 2007 - Köln – 36 km – Bonn – 36 km – Remagen
Wetter: starker Regen, später trocken und vereinzelt Sonne
Gesamtkilometer: 71,32 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,1 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 33,15 km/h
Sonstiges: drei Plattfüße; zwei bei Stefan, einen bei Jan
Another day on the road
7:30 Uhr: Mit dem Auto fahren wir zur KfH-Dialyse Dr. Nebel und Dr. Arns. Dort wollen wir mit unseren Mitfahrern zunächst frühstücken. Der sehr rührige Pflegeleiter Dr. Jens Petersen hat uns ein tolles Frühstück organisiert. Eine Stunde haben wir sehr gut gefrühstückt und uns dann unter das „Start“-Banner gestellt. Laut wurde von den Anwesenden von 10 bis nach 0 gezählt. Bei „0“ machten wir uns auf die Reise nach Bonn, zu den Rheinischen Landeskliniken. Der einsetzende Regen ist nicht schön, hat uns aber die Stimmung nicht verdorben. Durch die Stadt, zurück nach Rodenkirchen, haben wir den Rheinradweg genommen. Jörg und seine Freunde haben uns zielsicher geführt. Trotz des Regens kommen wir gut vorwärts. Stefan, heute den ersten Tag dabei, feiert seinen Einstand mit zwei Plattfüssen. Unglaublich. Wir entscheiden, ihn mit seinem Schicksal allein zu lassen und per Telefon den Besenwagen zu benachrichtigen. Zwei unserer Tagesgäste ist der Regen zu heftig; sie nehmen die Bahn zurück. Unterwegs meldet sich Stefan, er hat die beiden Reifen geflickt und macht sich per Rad auf, uns einzuholen. Martin, unser „local Scout“ geleitet uns schnell und sicher zu den Rheinischen-Landeskliniken. Die rheinischen Landeskliniken mit Herr Prof. Bienert an der Spitze setzen sich mit Ihrer neurologischen Station stark für die Organspende ein. Mit unserem Besuch wollen wir deren Engagement würdigen. Bei leckeren Getränken und noch besserer Grillwurst kommen wir „schnelle“ ins Gespräch mit den Anwesenden. Pater Bernard, der Krankenhauspfarrer, wird uns am Nachmittag auf seinem Liegerad begleiten. Dieser Berufsstand wirkt bei der Organspende oft mit und führt die schweren Gespräche mit den Angehörigen. Auch Dr. Gerhard vom Transplantationszentrum Bonn besucht uns. Er ist beeindruckt, und wird uns sicherlich seinen Patienten empfehlen ... hoffe ich.
13:15 Uhr: Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg in Begleitung von Pater Bernhard.

Von den rheinischen Landeskliniken fahren wir zurück auf den Rheinradweg. Zusehends wird unsere Geschwindigkeit größer. Die letzte Stunde fahren wir mit ca. 23 bis 26 km/h (ungedopt) dem Ziel entgegen. Inzwischen wird uns klar, dass diese Geschwindigkeiten die Gastfahrer eher abschreckt als deren Teilnahme fördert. Da müssen wir uns etwas überlegen. Denn wir wollen niemanden scheuchen, schon gar keine Transplantierten, und wir sind auch nicht auf der Flucht!
Am Abend gehen wir essen, leichte Kost für schnelle Radfahrer. Die erste Woche haben wir nun hinter uns. Die Resonanz für die Sache, aber auch für unseren Verein ist toll. Die Mitfahrer sind spitze und wir haben unheimlich viel Spaß - beim „schnelle“ Fahrrad fahren. Die Studien hinsichtlich des „Russen“ verlaufen allerdings auch hier wenig Erfolg versprechend. Offensichtlich sind wir immer noch zu weit nördlich. Nach dem letzten Bier fängt es wieder an zu regnen; wir freuen uns auf morgen. Dann geht es zum Bundeswehrkrankenhaus, Mitfahrer Peter kennt es sogar von innen; wir anderen legen wenig Wert darauf.
Freuen wir uns auf einen neuen Tag, den Segen der Nacht, bis "morschen".
Song des Tages: Bottle of red wine (Eric Clapton, Rainbow Concert)
9. Tag: 29. Juli 2007 - Remagen - 37 km - Koblenz - 37 km - St.Goar
Wetter: bewölkt; zunächst trocken, dann aber ein kräftiger Schauer
Gesamtkilometer: 88,09 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,15 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 35,15 km/h
Sonstiges: leider ein Unfall
9:00: Uhr: Wir starten bei bedecktem Himmel; die Neigung zu Regen ist allerdings größer als zu Sonne. Das Hotel liegt unmittelbar am Rheinradweg, so dass wir direkt losfahren können. Ziel ist das Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz. Der Weg den Rhein entlang ist gut ausgebaut und so kommen wir schnell vorwärts.

Da wir diese Radtour mit Öffentlichkeitsarbeit verbunden haben, müssen wir einen Zeitplan ungefähr einhalten. Das ist nicht immer ganz einfach und erfordert manchmal schnelleres Fahren, was bei Gegenwind manchmal nicht so angenehm ist. Im Norden von Koblenz verlassen wir den Rheinradweg und fahren durch Vororte direkt zum Bundeswehzentralkrankenhaus. Für diese Zwecke haben wir ein Navigerät, da die Wege zu den einzelnen Stationen abseits der Radwege liegen. Drei Kilometer vor dem Ziel stürzt Walter ohne Fremdeinwirkung an einer Bordsteinkante. Die letzten Kilometer geht es ganz schön bergauf und dazu kommt noch Gegenwind. Wie immer: Die Krankenhäuser liegen auf dem Berg.
Im Krankenhaus werden wir von Herrn Dostert und Herrn Dr. Mauer von der DSO empfangen. Wir bekommen zur Stärkung eine warme Suppe (prima Idee!) und belegte Brötchen. Walter lässt vorsichtshalber seinen Ellbogen röntgen - gebrochen! Eine Weiterfahrt ist nicht möglich. Gute Besserung Walter! Er nimmt es tapfer und wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist. Claudia und Wolfgang stoßen am Bundeswehrkrankenhaus zu uns. Wir bekommen noch einiges zum Krankenhaus erzählt und erfahren, dass inzwischen mehr Zivilpersonen als Bundeswehrangehörige behandelt werden. Walter wird dort eingewiesen und am Nachmittag um vier Uhr operiert.
13:45 Uhr: Mit etwas Verzögerung machen wir uns auf den Weg. Die nassen Schuhe und Socken vom Vortag sind vom Fahrtwind getrocknet. Über Spay geht es weiter nach Boppard, immer am Rhein entlang. Es beginnt nun die Strecke mit vielen Burgen und anderen Sehenswürdigkeiten. 15 km vor dem Ziel erwischt uns ein starker Schauer und die Klamotten sind wieder nass.
16:40 Uhr: „Belohnt“ werden wir mit Rückenwind, der uns die letzten Kilometer in flotter Fahrt ermöglicht. Die Dialysepatienten schlagen hohes Tempo an. Bernd hat sich nach dem Genuss einer Banane übergeben und ihm geht es daher heute nachmittag nicht so gut. In St. Goar hat das Gesundheitsamt mit Herrn Dr. Prämassing an der Spitze einen Stand für die Bevölkerung zum Thema Organspende aufgebaut. Mit Kaffee und Kuchen sowie anderen Leckereien stärken wir uns.
Am Abend widmen wir uns der „Russen“-Studie, allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Bedienung lässt sich bereitwillig alles erklären, um dann mit den Worten „Machen wir nicht“ abzudrehen. Übel.
Morgen soll es, wenn man den Nachrichten vertrauen darf, schöner werden. Verdient hätten wir es, finde ich.
10. Tag: 30. Juli 2007 - St. Goar - 38 km - Rüdesheim - 34 km - Mainz
Wetter: Sonne, zunehmend bewölkt, nicht sehr warm
Gesamtkilometer: 76,09 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,01 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 26,15 km/h
Sonstiges: keine Pannen
+++++ Breaking News: Einer von uns hat gedopt +++++
Aus gegebenem Anlass muss ich mit der Berichterstattung schon mit dem Frühstück beginnen:
7:45 Uhr: Beim Frühstück wird Claudia K. aus M. des Dopings überführt. Seelenruhig sitzt sie beim Frühstück und hantiert mit Spritze und einer undefinierbaren Flüssigkeit herum. Mischt das Ganze mit Orangensaft und schluckt es. Unglaublich. Auf Nachfrage sagt sie: „ist mit dem Arzt abgesprochen“. Wir warten auf die B-Probe ...
8:30 Uhr: Blauer Himmel, die Sonne scheint. Die Temperaturen betragen um die 15 Grad, im Schatten ist es noch kälter. Gestern sind wir den ganzen Tag nach Süden gefahren, aber es will nicht wärmer werden. Entlang des Rheins, vorbei an der Lorely, erreichen wir um ca. 10:45 Uhr das Binger Loch - eine Engstelle des Rheins; die Strömung ist hier besonders stark. Im Durchschnitt hat der Rhein eine Strömungsgeschwindigkeit von 9 km/h. Aus diesem Grund haben wir auch keine Mühe rheinaufwärts fahrende Schiffe hinter uns zu lassen.
Walter meldet sich per Telefon, die Operation hat er gut überstanden: Fünf Nägel, eine Platte - es war doch komplizierter als gedacht. Gute Besserung!
11:15 Uhr: Autofähre Bingen - Rüdesheim. Dort erwartet uns ein Kamerateam des Südwestfunks. Die Medien nehmen das Thema Organspende dankbar auf. Und wir hoffen, dass damit auch wichtige (und richtige) Informationen zur Organspende in die Öffentlichkeit getragen werden. Auf der anderen Rheinseite in Rüdesheim werden wir von Herrn Stroh (IG Niere Wiesbaden) empfangen. Er geleitet uns durch die Drosselgasse zum Rathaus. Während wir in St. Goar über die Ruhe und Beschaulichkeit überrascht waren, scheint es sich bei Rüdesheim um eine japanisch-holländische Enklave zu handeln.
12:00 Uhr: Beim Empfang in Rüdesheim sind viele Vertreter der Stadt anwesend, auch der Landrat Herr Albers. Allen ist das Thema inzwischen wichtig. Beim anschließenden Mittagessen werden wir noch vom 1. Stadtverordneten Herrn Eulberg in die Geheimnisse von Rüdesheim und der vielen Winzern eingeführt. Hannelore Rönsch (BM a. D. unter Helmut Kohl) begleitet uns auf dem Weg nach Mainz.
„Russen gefunden“
13:00 Uhr: Beim Mittagessen ist es dann soweit: Peter, der immer noch in seiner Mission unterwegs, fragt die Bedienung, ob sie einen „Russen“ kennt. Sie kann die Zusammensetzung des Getränkes aus dem Stehgreif beschreiben. Peter trinkt dann aber lieber etwas anderes.
Mit Frau Rönsch machen wir uns auf den Weg. Entlang des Leinpfades wollen wir gegen 16:15 Uhr Mainz erreichen. Landschaftlich sehr schön, aber für Rennräder ungeeignet müssen wir dann doch die Straße nehmen, was von der Entfernung her kein großer Unterschied ist. So fahren wir durch Weinberge, was auch ganz reizvoll ist. Ungeplante Baustellen verhindern allerdings ein zügiges Vorankommen. Frau Rönsch ist mit ihren Ortskenntnissen ist sehr hilfreich.
17:15 Uhr: Wir erreichen die Klinik Mainz mit dem Transplantationszentrum. Wie immer liegt die Klinik auf dem Berg; es ist unglaublich. Viele Menschen haben sich eingefunden, allen voran Prof. Otto und seine Transplantationsmannschaft. In Mainz werden überwiegend Lebern transplantiert. Bei Brezeln und ??? (einer Mainzer Spezialität) erzählen wir den anwesenden Medien einiges zum Thema Organspende und der Radtour. Wir erfahren wieder großen Zuspruch für diese Aktion.
19:00 Uhr: Von Frau Rönsch werden wir noch bis zum Hotel geleitet. Vielen, vielen Dank Frau Rönsch.
Nachtrag: Selten habe wir ein so verschlafenes Nest wie Mainz-Kostheim auf unserer Strecke gesehen. 40 Minuten brauchten wir, um eine Kneipe für ein Bier zu finden. Die B-Probe von Claudia ist positiv - wie sollte es auch anders sein. Erstaunt sind wir als sich herausstellt, dass Claudia Apothekerin ist und vorgibt keine Tabletten zu mögen; daher muss sie sich also „flüssig“ dopen.
11. Tag: 31. Juli 2007 - Mainz - 50 km - Frankfurt - 15 km - Offenbach
Wetter: Sonne, Wolken, nicht sehr warm
Gesamtkilometer: 54,69 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,10 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 32,34 km/h
Sonstiges: keine Pannen
8:30 Uhr: Mit Jens haben wir heute einen neuen Mitfahrer. Der Morgen ist sehr frisch. Daher benötigen wir einige Zeit, bis unsere Beine auf Betriebstemperatur kommen. Da das Hotel unmittelbar am Main liegt, können wir direkt am Mainradweg loslegen. Das hat unsere „Zimmerfee“ Gudrun gut organisiert. Heute haben wir drei Stationen anzufahren: den Frankfurter Römer, die Unikliniken und das Offenbacher Klinikum. Sehr gespannt sind wir auf den Empfang im Römer.
10:15 Uhr: Ein Kamerateam von Sat1-Regional trifft uns auf der Strecke. Obwohl wir bereits einige Erfahrung damit haben, müssen wir die Vorbeifahrt wiederholen. Das Team will uns an verschiedenen Stationen des heutigen Tages treffen und Aufnahmen sowie Interviews machen. So haben wir die Möglichkeit, unser Anliegen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir radeln weiter am Main entlang und bald sehen wir die Skyline von „Mainhattan“. Vorbei an den ersten Gebäuden erreichen wir den Eisernen Steg, eine alte Brücke, überqueren diese und sind dann auch schon direkt am Römer. Dort werden wir zunächst von einem Protokollchef empfangen. Für die Kamerateams drehen wir noch einige Runden um den Gerechtigkeitsbrunnen. Ein Pfarrer im Ruhestand, jetzt ehrenamtlicher stellvertretender Bürgermeister, hält eine tolle Begrüßung. Er hat sich mit dem Thema Organspende intensiv auseinandergesetzt. Während der Gespräche bekommen wir auch etwas mit von der Rivalität zwischen Frankfurt und Offenbach. Es gibt einen kleinen Imbiss, gute Gespräche und einen Teller aus Frankfurt als Gastgeschenk. Mitorganisiert hat das Herr Kinze von der IG Frankfurt. Danke.
Etwas zum Römer: Ein wichtiges Gebäude für die Nation
Nicht nur für die Stadt Frankfurt war und ist der Römer bedeutsam. Das Rathaus, das nur wenige hundert Meter vom Main entfernt steht, war viele Jahrhunderte lang auch von nationalgeschichtlicher Bedeutung. Der Römer wurde zum "hus des riches", hier wurden die Vorverhandlungen zur Wahl der deutschen Könige und Kaiser abgehalten. Die Nationalversammlung von 1848 wollte anfangs im Kaisersaal tagen, ehe sie aus Platzgründen in die Paulskirche umziehen musste. Und heute beherbergt der "Römer" den begehrtesten Balkon des Landes.
13:30 Uhr: Wir fahren wieder auf die andere Mainseite und sind schnell am Klinikum der Stadt Frankfurt. Der Dekan der medizinischen Fakultät, die Professoren Geiger, Jonas, Scheuermann und Vertreter von Herrn Prof. Bechstein haben sich eingefunden und begrüßen uns herzlich. Wir haben den Termin kurzfristig in unsere Tour aufgenommen. Frankfurt ist ein großes Transplantationszentrum für viele verschiedene Organe. Thematisiert wird auch hier die Rivalität der beiden Städte Frankfurt und Offenbach.
15:45 Uhr: Wir erreichen Offenbach etwas zu früh. Frau Schelle vom Klinikum und Frau Walter von der dortigen IG Niere haben Tolles auf die Beine gestellt. Mit Herrn Schmidt, dem kaufmännischen Direktor, lernen wir jemanden kennen, der das Thema Organentnahme in seinem Krankenhaus offensiv anpackt. Abseits jeder Diskussionen um finanzielle Aspekte und Mehrarbeit widmet er sich mit großem Elan dieser Sache. Solche Menschen bräuchten wir mehr in den nachgeordneten Krankenhäusern. Uns ist klar, dass diese Krankenhäuser eine wichtiges Glied in der Kette zur Transplantation sind. Die Mitarbeiter müssen die belastenden Gespräche mit den Angehörigen führen, wenn eine Organspende möglich erscheint. Für diese Engagement ein ganz dickes Dankeschön. Ein Vertreter der Stadt rundet den Empfang ab.
17.20 Uhr: Abfahrt ins Hotel. Eine Dusche und Bier rufen.

Nachtrag: Am Main auf dem Weg nach Offenburg fanden wir ein Podest mit der Aufschrift „ICH“. Wir haben das zum Anlass genommen, ein paar Fotos zu machen.
Jeder Mensch ist verschieden, jeder Mensch ist etwas Besonderes. Dies trifft ja gerade auf uns zu. Haben doch viele von uns eine längere Krankheit überwunden und blicken trotz allem positiv in die Zukunft.
12. Tag: 1. August 2007 - Offenbach - 45 km - Aschaffenburg - 25 km - Erlenbach
Wetter: Sonne, Sonne, Sonne - keine Wolken
Gesamtkilometer: 85,53 km (mit Transferfahrten)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,74 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 32,87 km/h
Sonstiges: keine Pannen
8:30 Uhr: Start in Offenbach-Börgel. Noch ganz beeindruckt von den Erlebnissen des letzten Tages kommen wir nur langsam in Fahrt. Einige Ketten schreien nach Öl (manche Gelenke auch!), manche Reifen nach Luft. Der Himmel ist strahlend blau, die gefühlten Temperaturen liegen jedoch bei ca. 2 Grad über 0. Peik, Kathrins Göttergatte, ist seit gestern dabei, ebenso Manfred und seine Frau. Unsere Gruppe wird immer größer. Es ist August und die Hände werden beim Rad fahren eiskalt. Keiner hat Handschuhe mit. Es dauert fast eine Stunde, bis wir auf Betriebstemperatur sind. Der Main fließt im Gegensatz zum Rhein ganz ruhig dahin: keine Wellen, meistens spiegelglatt. Die Schiffe wirken riesig auf dem kleinen Gewässer. Wir liegen gut in der Zeit. Uns wird klar, dass die Tour nun leider mit großen Schritten zu Ende geht. Wir könnten auch noch zwei Wochen weiter fahren, aber kaum einer von uns ist Rentner.
11:00 Uhr: Es ist inzwischen so warm, dass wir die Jacken ausziehen können. Von heißen Temperaturen, kann aber nicht die Rede sein. Bald können wir Aschaffenburg sehen, und für unsere „Bayern“ beginnt das Heimspiel.
11:30 Uhr: Erste Anzeichen von „Unterhopferung“ sind zu beobachten. Nur widerwillig wird an den Biergärten vorbeigefahren.
12:00 Uhr: Empfang bei der Stadt Aschaffenburg. Stadtwein und gefüllte Croissants werden gereicht. Da wir gut in der Zeit liegen, trinken wir im Anschluss noch einen Kaffee.
13:45 Uhr: Wir nehmen die letzte Teilstrecke des heutigen Tages in Angriff. Lockere 25 km liegen vor uns. 10 km vor dem Ziel Erlenbach steht meine Familie, die uns die letzten Tage auch noch begleiten wird. Mit Jan wird sich das Tempo allerdings dann drastisch reduzieren. Wir werden ihn hauptsächlich als Motivator auf den letzten Kilometern jeden Tages einsetzen. „Warum schwitzt Ihr“ hat er heute gefragt und sich damit gleich „beliebt“ gemacht. Er genießt allerdings Welpenschutz. Die letzten 10 km gehen gut von der Hand. Jan wird gezogen, sozusagen Fahrrad mit Hilfsmotor. Wie immer liegt der Zielpunkt, heute das Kreiskrankenhaus von Erlenbach, auf dem Berg. Das entwickelt sich langsam zum „running joke“.
15:45 Uhr: Der Empfang ist herzlich und uns fallen direkt vier junge Leute auf. Sie sind KrankenpflegerschülerInnen und sie haben in Ihrer kargen Freizeit ein „Unterhopfungsmessgerät“ entwickelt. An einem solchen Gerät hat TransDia natürlich großes Interesse. Das einzige Manko an dieser Apparatur ist, dass der Hopfenspiegel nicht korrigiert werden kann. Wir werden die Weiterentwicklung der Apparatur weiter beobachten und haben die Hoffnung, dass die jungen Forscher bis zur EM 2008 in Würzburg das ganze für Öchsle auch noch hinbekommen. Danke den Mitarbeitern des Kreiskrankenhauses für diesen freundlichen Empfang und die innovative Entwicklung. Schön war, dass wir einer junge Generation von unserem Anliegen erzählen konnten. Diese jungen Leute waren zum Teil noch nicht auf der Welt, als bei manchen von uns die Erkrankung schon begann.
17:30 Uhr: Wir erfahren, dass unsere Unterkunft hinterm Berg liegt. So ein Sch.... 8% Steigung, und das nach ca. 75 km. Das geht in die Beine. Aber auch dafür brauchen wir kein Epo.
Abends geht’s auf Empfehlung unserer Wirtin in die alte Scheune. Tolle Gaststätte, tolle Bedienung und riesengroße Portionen, die selbst wir trotz Dauer-Kalorienverbrauch nicht bewältigen können. An dieser Hopfenstation können wir endlich unseren Spiegel nachhaltig korrigieren. Auch unsere Dialysepatienten werden an diesem Abend bestens versorgt. Sogar der Taxifahrer unterstützt unsere Aktion: Er fährt uns ohne dafür zu kassieren. Toll. Das hilft unserer Urlaubskasse.
An dieser Stelle erwähnen wir es noch einmal: Wir zahlen Unterkunft und Verpflegung selbst, und würden uns freuen, wenn wir im Nachhinein unsere Teilnehmer etwas entlasten könnten. TransDia ist ein relativ kleiner Verein, aber munter. Es wird nicht die letzte Tour „pro Organspende“ sein. Wir haben bislang riesengroße Resonanz, auf diese Art für die Organspende zu werben. Mehr dazu nach der Tour!
13. Tag: 2. August 2007 - Erlenbach - Ruhetag: Kult(o)ur pro Organspende
08:30 Uhr: Die ersten trudeln zum Frühstück ein. Ausgeruht und unternehmungslustig. Die Feldstudie zur Nivellierung des Hopfenspiegels in der „Alten Scheune“ zu Schippach gestern abend hatte nicht so lange gedauert. Wir frühstücken ausgiebig und überlegen, wie wir den Tag verbringen können. In der Zeitung sind wir erwähnt, ist ja auch etwas. Für morgen haben sich sogar zwei Polizisten auf Mountainbike angesagt. Schauen wir mal.

10:15 Uhr: Schloss Mespelbrunn liegt in der Nähe und es scheint uns einen Ausflug wert; manche murren. „Wandertag“. Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs.
In der Gegend hier spielt auch das „Wirtshaus im Spessart“, wobei der Verfasser dieser Zeilen mit dieser Art von Folklore nichts anfangen kann. Die Besichtigung des Schlosses ist jedoch sehr eindrucksvoll.
12:00 Uhr: Auf dem Weg nach Miltenberg liegt das Franziskanerkloster Engelberg. Die Aussicht auf eine zünftige Brotzeit mit dunklem Klosterbier lässt unser Herz (Hopfenspiegel) höher schlagen, so dass wir das direkt in Angriff nehmen. Das Kloster liegt, na, auf einem Berg. Wir sind aber mit dem Auto unterwegs und können daher darüber lachen. Von oben hat man einen schönen Ausblick über Großheubach und Miltenberg.
Die ganz sportlichen unter uns nehmen die 612 Stufen vom Ort zum Engelberg, „Engelsstaffeln“ genannt. Auf dem Klostergelände (und noch mehr bei der Prostzeit) bekommen wir die Inspiration für die morgigen 94 km.
14:00 Uhr: Am frühen Nachmittag besuchen wir Miltenberg und in der Sonne genießen wir den Nachmittag. Stefan hat uns für den Abend Karten für die „Buddy Holly Story“, die Geschichte des leider viel zu früh umgekommenen amerikanischen Rock’n Rollers besorgt. Darauf freuen wir uns; die heute stark beanspruchten Beine können wir dann wieder etwas auflockern. Bei soviel Programm fühlt man sich fast schon gescheucht (Sorry Kerstin). Bei Cafe und Eis fangen wir wieder zu blödeln an. Uns läuft ein Hund (Mischung aus Kampfhund und Lassie) über den Weg. “Erst beißen, dann Hilfe holen“, mehr fällt uns dazu nicht ein. Kennen Sie schon die drei wichtigsten Sätze eines Hundehalters? „Der beißt nicht. Der will nur spielen. Das hat er noch nie getan.“ Wir haben jedenfalls eine Menge Spaß.
17:00 Uhr: Im Hotel versuchen wir ein wenig zu ruhen. Das Musical dauert von 21:30 bis ca. 23:45 Uhr. Jan (5) und Maike (9) wollen unbedingt mit. Wir sitzen in der zweiten Reihe und schon geht die Post ab, mit gutem alten Rock’n Roll. Einfach klasse. Das hat sich gelohnt. Wie am Abend des Prologs in Münster haben wir am Ende ziemlich lockere Beine (und Zungen).
00:10 Uhr: Nachtruhe und ein Abendbier
Song des Tages: Peggy Sue (BuddyHolly)
14. Tag: 3. August 2007 - Erlenbach - 53 km - Wertheim - 42 km - Lohr
Wetter: warm, bedeckt, mit Tendenz zu Sonne
Gesamtkilometer: 109,78 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,64 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 37,88 km/h
Sonstiges: keine Pannen
08:00 Uhr: Mitten in der „Nacht“ brechen wir auf. Eine lange Etappe erwartet uns. Zunächst geht es von der Pension leicht bergab an den Main; das hilft beim wach und warm werden. Wir treten ordentlich in die Pedale und kommen gut voran. Der Ruhetag hat einige Reserven mobilisiert. Mit über 20 km/h rollen wir den Main entlang. Jens hat sich einen Ruhetag in Frankfurt gegönnt, ist jetzt aber wieder mit dabei. Peik hat seine Zerrung vom Donnerstag mit Voltaren behandelt; das hat geholfen. Da unser Hotel in Elsenfeld-Rück lag, kommen neben den geplanten 53 km noch knapp 10 km dazu, bis wir Wertach erreicht haben. Langsam kommt die Sonne durch. Claudia vermisst die Kamerateams vom Fernsehen und meldet etwas Hunger an, hoffentlich gibt’s bald was zu Essen. Nichts ist schlimmer als ein Hungerast bei solch langen Etappen. Auch die ersten Anzeichen von Unterhopfung machen sich bemerkbar. Die Fahrräder fahren nur widerwillig an den Hopfenstationen vorbei. Hier sind große Steuerkünste erforderlich.
11:00 Uhr: Vertreter der örtlichen Polizei kommen uns entgegen. Mit Helm und grünem Shirt, aber auf Privaträdern („Mit den anderen blamieren wir uns“). Ohne Blaulicht geleiten Sie uns zum Rosengarten, dem Sitz des Bürgermeisters.
11:30 Uhr: Wir sind dort etwas zu früh und können uns daher nach den 61 km erst mal etwas die Beine vertreten. Den anwesenden Pressevertretern tragen wir wieder unsere Sprüchlein vor und hoffen, dass daraus gute Artikel werden, die der Sache dienen.
12:00 Uhr: Bürgermeister Stein begrüßt uns, der Küchenchef des dortigen Krankenhauses hat Lunchpakete vorbereitet und so nehmen wir eine zünftige Brotzeit ein. Auch für den Hopfenspiegel kann man hier etwas tun.

13:30 Uhr: Weiter geht’s. Bis kurz hinter den Ortsausgang werden wir von der Polizei begleitet. Dann müssen wir selber sehen, wie wir klar kommen. Nächster Halt ist Stefans Heimatdialyse in Marktheidenfeld. Einige wenige von uns versuchen auf den Radwegen im Windschatten ihres Vordermannes Kraft zu sparen; das erfordert aber viel Konzentration. Ist diese nicht vorhanden, gibt es schon mal kleinere Rempeleien. Ich erfahre, dass wir in einem „Sauhaufen“ unterwegs sind. Stimmt, aber es ist ein ganz schön netter. Gruppendynamische Prozesse bleiben in 14 Tagen nicht aus. Jeder hat andere Erwartungshaltungen, vielleicht werden auch nicht alle erfüllt. Den allermeisten macht es jedenfalls riesig Spaß. Viele reden schon vom nächsten Jahr.
14:45 Uhr: Nächste Stärkung in Marktheidenfeld. Leider zu kurz, aber die Zeit drängt. Trotz der Eile können wir die Presse mit vielen Informationen versorgen, drei weitere Mitfahrer schließen sich an, unter anderem Phillip, der uns auch noch am nächsten Tag begleiten wird.
16:30 Uhr: Pünktlich erreichen wir Lohr. Die Bürgermeisterin empfängt uns. Der Einladung zur Spessartwoche folgen wir gerne, und wir erhalten auch noch Freimarken für Bier und halbe Hähnchen. Das war unsere längste Etappe, alle haben auch das gut durchgehalten, obwohl wir zeitweise schnell unterwegs waren.
19:51 Uhr: Frisch geduscht schwingen wir uns in den Bus, um pünktlich um 20.30 im Festzelt zu sein. Unser „local scout“ Phillip ist schon da, und hilfsbereit wie immer hat er schon die reservierten Plätze gefunden. Der Lärm ist ohrenbetäubend, die Musik der Blaskapelle ist nicht nur von der Lautstärke, sondern auch von der Art her - na ja, sagen wir mal - gewöhnungsbedürftig. Es handelt sich hierbei auch um eine Art „akustische Umweltverschmutzung“. Die Ruhe des Radelns am Main sehnen wir schlagartig herbei. Aber wir sind Neuem gegenüber ja aufgeschlossen. Für „Kenner“ dieser Szene dagegen es gibt nur zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Zelt verlassen oder mittrinken. Ersteres kommt für uns nicht in Frage, denn wir wollen ja die leckeren gesponserten halben Hähnchen probieren. Also halten wir durch. Unserer Devise, dass Transplantierte und Dialysepatienten möglichst auch mit extremen Belastungen des täglichen Lebens fertig werden sollen, werden wir hier gerecht. Das erste Bier fließt, wobei sich unsere Bewunderung ob der vielen gleichzeitig getragenen „Mass“ relativiert, als wir sehen, dass das Verhältnis von Schaum und Bier eher Brauerei orientiert ist. Im Ruhrgebiet heißt das „weiße Woche“. Wir erfahren, dass ca. 4500 Menschen in diesem Zelt sitzen. Jeder Mensch erzeugt ca. 100 Watt Wärme, was 450 kw an Heizleistung macht. Das erklärt die Wärme. Es ist wirklich nicht jedermanns Sache. Als die ersten Besucher auf die Bänke steigen, ergreifen die ersten um ca. 22:00 Uhr die Flucht und fahren noch etwas Autoscooter etc. Nein, TransDia-Radler tanzen nicht auf den Bänken ... Wir lernten hier ein weiteres Paralleluniversum kennen, das Wirtshaus im Spessart.
15. Tag: 4. August 2007 - letzter Tag! - Lohr - 56 km - Würzburg
Wetter: warm, bedeckt, mit Tendenz zu Sonne
Gesamtkilometer: 61,12 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,2 km/h (ohne Pausen)
Max. Geschwindigkeit: 26,12 km/h
Sonstiges: 1 Platten (Peter)
08:00 Uhr: Trotz kurzer Etappe starten wir sehr früh. Ca. 930 km haben wir jetzt in den Beinen. Am Abend sind noch Sylvia, ihr Mann und Harry zu uns gestoßen. Auch sie möchten mitradeln. Ein bisschen Wehmut macht sich breit, sind wir inzwischen doch ein gutes Team geworden. Ein Radler im Edeka-Kostüm taucht auf. Na nu, wir radeln doch für Organspende und nicht für Edeka. Hat er wohl falsch verstanden. Sicherlich wird er uns nach der Radtour großzügig mit einer Spende unterstützen. Phillip, unser Rad- und Spessartwochen-Scout, ist auch mit von der Partie. Antonina, ihr Mann, Rolf und weitere Fahrer schließen sich auf dem Marktplatz von Lohr an. Langsam rollen wir zum ersten Zwischenhalt nach Gemünden.
09:10 Uhr: Ankunft in Gemünden. Weitere Radler schließen sich an. Es wird Obst gereicht. Danke. Kurz nach Abfahrt ereilt uns der vierte Platten. Peter ist der Leidtragende, nimmt es aber locker.
10:55 Uhr in Karlstadt: In der Fußgängerzone vor dem Fahrradladen Rosenberger (einem Sponsor) ist der nächste Halt geplant. Als wir eintreffen, ist alles vorbereitet. Weitere Fahrer schließen sich an. Die Gruppe hat nun fast 40 Personen. Die ersten Hungergefühle treten auf und so machen wir uns auf zum nächsten Halt.

12:20 Uhr in Zellingen „Zum Anker“: Hier empfängt uns die Familie Grümpel in ihrem Biergarten sowie der Bürgermeister Herr Mühlbauer. Die Sonne scheint, die Stimmung gut, mit einem Wort: Biergartenzeit. Familie Grümpel lädt uns zu einer deftigen Brotzeit ein. Da uns der Durst anzusehen ist, ist Familie Grümpel bemüht uns schnell mit Getränken zu versorgen. Der „Russ“ steht - selbstverständlich - auf der Speisekarte. In der Hektik ist er nicht durchgemischt, unten etwas Zitronensprudel, oben das Bier. Sieht aus wie „Latte Macchiato“ für Biertrinker. Uschi nimmt beherzt einen Bierdeckel, drückt ihn auf die Öffnung des Glases, dreht das ganze auf den Kopf … das Bier freut sich dermaßen auf den Zitronensprudel, dass es vor Freude überschäumt. Gut durchgemischt - unter Verlust von ca. 30% des Inhaltes. Spaß muss sein. Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg und nehmen die letzten 20 km in Angriff.

15.30 Uhr: Über Margretshöchheim erreichen wir Würzburg. Schon vor unserer Ankunft gab es dort ein reichhaltiges Programm. Das Improvisationstheater „Kaktussen“, ein Songwriter und diverse Infostände.
Viel Programm, organisiert von Familie Bremer und TransDia. Das Fernsehen ist da und auch die Presse. Ein toller Abschluss der letzten zwei Wochen. Am Abend sind wir noch einmal gemeinsam Essen gegangen und haben die Erinnerungen sacken lassen.
Nächste Woche gibt’s noch ein Resume der vergangenen 14 Tage.
Vielen Dank für Ihre/Eure Aufmerksamkeit!
Über Rückmeldungen würde ich mich freuen: ludwig@transdia.de.
Song des Tages: Na, na, na hey good bye (Steam)
Statement

Radtour "pro Organspende": Wir dopen!
Warum wir „dopen“ dürfen, die Rennradfahrer aber nicht
Organspende schenkt Leben!

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