Pankreastransplantation
Die Bauchspeicheldrüse erzeugt Enzyme für die Verdauung im Darm und stellt die Hormone Insulin und Glukagon her, die den Zuckerspiegel des Blutes regulieren. Eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse kommt für Diabetiker in Frage, deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert.
Mit der Organtransplantation werden dem diabetischen Empfänger die in der Drüse mitverpackten Inselzellen übertragen, die das lebensnotwen- dige Hormon Insulin produzieren, so dass der Patient die vorher täglichen notwendigen Insulinspritzen nicht mehr benötigt.
Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 165 Pankreastransplantationen durchgeführt, davon 144 in Kombination mit einer Niere. Denn normalerweise wird eine Bauchspeicheldrüse nur übertragen, wenn gleichzeitig der Ersatz einer Niere erforderlich ist.

Krankheitsbilder
Die Volkskrankheit Diabetes mellitus ist weltweit ein ständig wachsendes Gesund- heitsproblem. Die Lebenserwartung von Diabetikern ist bis um ein Drittel gegenüber der Normalbevölkerung verkürzt, da im Gefolge der Zucker- krankheit zahlreiche Komplikationen auftreten. In erster Linie sind das Blindheit, koronare Herzerkrankungen mit Herzinfarkt, Schlag-anfall, schwere Nervenerkrankungen, Durchblutungsstörungen der Extremitäten und vor allem das Nierenversagen. Zwischen 30% und 60% aller Dialysepatienten sind inzwischen Diabetiker.
Die kombinierte Nieren-Pankreastransplantation kommt in erster Linie für Typ-1-Diabetiker (sogen. ‚“Jugend”-Diabetes) mit Nierenversagen in Frage. Transplantationen der Bauchspeichel- drüse werden nur bei Patienten mit Typ 1-Diabetes durchgeführt, da bei Menschen mit Typ 2-Diabetes die Inselzellen intakt sind und „nur“ zu wenig Insulin produzieren.
Die Indikation zur alleinigen Transplantation der Bauchspeichel- drüse stellt sich bei Diabetikern mit einem instabilen Diabetes mit schweren Stoffwechselentgleisungen, die immer wieder langfristige Krankenhausaufenthalte notwendig machen. Für diese Indikation ist die Transplantation von isolierten Inselzellen der Bauchspeichel- drüse, die ohne Operation des Empfängers erfolgt, eine interessante Alternative. Die Inzelzelltransplantation befindet sich allerdings noch im experimentellen Stadium und stellt auch nur für ausgewählte Patienten mit einem Typ I Diabetes mellitus eine mögliche Alternative zur klassischen Pankreastransplantation dar.

Ablauf der Pankreastransplantation
Bei der Pankreastransplantation wird eine Bauchspeicheldrüse, die einem Verstorbenen entnommen wurde, in die rechte oder linke Leistenregion platziert. Die Spenderorgangefäße werden mit den Beckengefäßen des Empfängers verbunden und der von der Bauchspeicheldrüse produzierte Verdauungssaft wird über ein am Pankreas belassenes Darmsegment vom Spender in den Darmtrakt des Empfängers abgeleitet.
Bei der Inselzelltransplantation werden isolierte Inselzellen aus der Bauchspeicheldrüse des Spenders herausgelöst und als Lösung über einen Katheter in die Nabelvene, die Pfortader oder direkt in die Leber des Empfängers eingebracht.

Nachbehandlung und Erfolgsaussichten
Wie andere Organtransplantierte auch müssen pankreastransplantierte Patienten ihr Leben lang immun- suppressive Medikamente einnehmen, um eine Abstoßung der transplantier- ten Bauchspeicheldrüse zu verhindern. Auch nach einer Inselzelltransplanta- tion sind lebenslang Medikamente nötig: Zur Zeit sind die meisten Inselzelltransplantierten weiterhin auf Insulin angewiesen und auch hier ist eine lebenslange Behandlung mit Immunsuppressiva notwendig, um ein Abstoßen der körperfremden Zellen zu verhindern.
Weltweit wurden bislang mehr als 15.000 Bauchspeicheldrüsen-Transplantationen durchgeführt. Nach einem Jahr funktionieren noch etwa 75 Prozent der Transplantate; etwa 65 Prozent der Transplantate haben eine Überlebensrate von fünf Jahren. Inselzelltransplantationen wurden bisher erst in geringer Anzahl durchgeführt; ungefähr die Hälfte der Patienten wird durch eine Inselzelltransplantation unabhängig vom Insulin.