Lebendspende
Immer mehr Patienten warten auf ein Organ. Eine Alternative zur Organspende von Verstorbenen ist die Lebendspende: Eine der beiden Nieren sowie Teile der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Lunge können auch bei lebenden Organspendern entnommen werden. Spender ist üblicherweise ein naher Verwandter, aber auch der Ehepartner, der Lebenspartner oder ein Freund, zu dem eine längere und enge Verbindung besteht, kommen in Frage. Kommerzielle Interessen dürfen in keinem Fall eine Rolle spielen.
Der wesentliche Vorteil einer Lebendorgantransplantation besteht darin, das der Eingriff planbar ist. Patienten können wesentlich früher transplantiert werden, da die Wartezeit auf ein Organ entfällt. Die Planbarkeit des Eingriffs hat weiterhin den Vorteil, dass eine umfangreichere Diagnostik durchgeführt werden kann und Risikopatienten unter kontrollierten Bedingungen, und damit niedrigerem Risiko, transplantiert werden können. Auch kann die medikamentöse Therapie bereits früher eingeleitet werden. Das Spenderorgan liegt zudem nur kurze Zeit auf Eis und nimmt seine Funktion im Regelfall besser und früher wieder auf.
Lebendorgantransplantationen sind daher meist erfolgreicher als die Verpflanzung von Organen verstorbener Spender - und auch die Langzeitprognose ist erheblich besser. Die Nachteile der Lebendspende von Organen betreffen vor allem den Spender, der sich als gesunder Mensch einer Operation unterzieht.

Nierenlebendspende
Bessere Langzeitergebnisse, keine Wartezeiten und eine optimale Qualität der transplantierten Niere sind die Vorteile einer Lebend-nierenspende. Dialysepatienten haben ein vielfach höheres Risiko für verschiedene Erkrankungen und eine schlechtere Lebens-qualität als Nierentransplantierte und mit einer Nieren- lebendspende lässt sich die Dialysezeit verkürzen. Die Verpflanzung der Niere ist ein etabliertes Behandlungsverfahren und die bei weitem am häufigsten praktizierte Form einer Lebendspende-Organverpflanzung. Die Transplantatüberlebens- raten bei Lebendnierentransplantationen sind ca. 10-15% besser als bei Leichennierentransplantationen.
Die Nierenlebendspende ist eine schon früh angewandte Methode in der Organtransplantation. 1953 war bei der ersten erfolgreichen Transplantation überhaupt die Niere eines eineiigen Zwilling auf den Bruder übertragen worden. Dadurch konnte eine damals weitgehend unbehandelbare Abstoßungsreaktion verhindert werden. Seitdem wurden in der Nierentransplantation zahllose Organe von Angehörigen verpflanzt. In den USA ist es momentan sogar so, dass ein Großteil der Nierentransplantationen mit Nieren von Lebendspendern durchgeführt werden.

Leberlebendspende
Die Lebertransplantation ist mittlerweile insbesondere bei Kindern eine etablierte Behandlungsmethode für Lebererkrankungen im Endstadium, die ohne diese Operation zum Tod des Patienten führen würden. Die Leber- lebendspende hat den großen Vorteil, dass sie unabhängig von der Warteliste möglich ist. Denn es ist generell nicht sicher vorhersehbar, wann ein Organ von einem hirntoten Spender zur Verfügung steht, und das trifft besonders auf Kinder zu, da von der Größe passende Organe wegen des weitaus geringeren Angebotes viel seltener als bei Erwachsenen sind.
Bei der Leberlebendspende wird einem Lebenden, meist einem Angehörigen des Patienten, ein Teil der Leber - bei Spenden für Erwachsene meist der größere rechte Leberlappen - entfernt und transplantiert. Auch eine Spende des kleineren linken Leber-lappens oder der halben rechten Leber ist möglich.
Bei kleineren Kindern werden meistens nur Teile des linken Leberlappens transplantiert. Die Operation ist heute ein Routine- eingriff und dauert zwischen 3 und 8 Stunden. Die Spender gehen allerdings ein nicht geringes Risiko ein: Besonders gefährlich sind starke Blutungen beim Durchtrennen des sehr gefäßreichen Organs. Während Nierenspender eines ihrer beiden Ausscheid- ungsorgane unwiederbringlich verlieren, setzt bei Leberspendern ein Reparaturmechanismus ein: Der entnommene Leberlappen wächst innerhalb von einigen Wochen wieder nach.