Nierentransplantation
Für viele schwerkranke Patienten ist eine Nierentransplantation lebensverlängernd: Im Vergleich zu Patienten, die eine Dialyse benötigen ist die Sterblichkeit reduziert.
Und eine Transplantation steigert die Lebensqualität, da sie den Patienten erlaubt, frei von Nierenersatzverfahren wie Hämo- oder Bauchfelldialyse zu leben.

Krankheitsbilder
Eine Nierentransplantation wird bei allen Patienten in Betracht gezogen, die an irreparablem Nierenversagen leiden und bei denen keine Einwände gegen einen solchen Eingriff vorliegen. Heutzutage gibt es nur wenige Gründe, Patienten nicht auf die Warteliste für eine Transplantation zu setzen. Strikte Altersgrenzen bestehen nicht. Organverpflanzungen werden auch bei Patienten mit über 70 Lebensjahren erfolgreich vorgenommen. Auch eine schon früher erfolgte Transplantation ist kein Ausschlusskriterium. Einen viel größeren Einfluss als das Alter hat der allgemeine Gesundheitszustand.
Eine Nierentransplantation kann in den folgenden Krankheitsfällen nicht durchgeführt werden: bösartige Tumore, Infektionen, HIV-Infektion, schwerwiegende zusätzliche Erkrankungen (beispielsweise Herz- und Gefäßerkrankungen, Bronchial- und Lungenerkrankungen, Lebererkrankungen).

Ablauf der Nierentransplantation
In der Mehrzahl der Fälle werden Patienten mit einem Nierenversagen in einem Transplantationszentrum untersucht, um die Dringlichkeit der Transplantation zu ermitteln. Sind alle Voruntersuchungen entsprechend abgeschlossen, wird der Patient an die Stiftung Eurotransplant im holländischen Leiden gemeldet.
Eurotransplant ist die europäische Vermittlungsstelle für Organtransplantation. Dort werden alle potenziellen Empfänger von Spenderorganen erfasst sowie die Verteilung der Spenderorgane auch für die Länder Österreich, Niederlande, Luxemburg, Slowenien und Belgien koordiniert. Dies hat den Vorteil, dass bei Notfallpatienten Länder übergreifend nach dem geeigneten Spender gesucht werden kann.
Aufgrund der oftmals sehr langen Wartezeiten gewinnt die Lebendnierenspende auch in Deutschland eine immer größere Bedeutung. Die Voraussetzungen für eine Lebendorganspende sind im Transplantationsgesetz geregelt. Demnach sind Spenden nur bei Verwandten ersten Grades, Ehegatten und Verlobten oder Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen, zulässig. Bei der Lebendnierenspende wird dem Spender eine Niere durch einen Flankenschnitt entfernt. Selbstverständlich wird vor der Operation gründlich geprüft, ob die betreffende Person überhaupt als Spender in Betracht kommt und ob keine gesundheitlichen Risiken bestehen.
Ein Nierentransplantat kann heute bis zu seiner Implantation bis zu 48 Stunden gekühlt gelagert werden. Im Normalfall sollte das Spenderorgan aber innerhalb von 24 Stunden implantiert werden. Je kürzer die Zeitspanne ist, bis das Transplantat wieder durchblutet ist - die so genannte kalte Ischämiezeit -, desto eher und besser funktioniert die transplantierte Niere. Bei der Transplantation wird die Niere nach einem Längsschnitt im seitlichen Unterbauch im Becken an die Beckengefäße angeschlossen und im Unterbauch platziert. Der Eingriff selbst dauert zirka zwei Stunden. Die eigenen Nieren werden nur im Ausnahmefall entfernt. In der Mehrzahl der Fälle nimmt das neue Organ bereits noch während der Operation seine Tätigkeit auf. Bei zirka 30% der Patienten kommt es allerdings zu einer initialen Nichtfunktion. Hierbei handelt es sich um ein akutes Nierenversagen, das anfangs weitere Dialysen notwendig macht. Innerhalb von zwei Wochen setzt dann in der Regel auch bei diesen Spenderorganen die Nierenfunktion ein.

Nachbehandlung und Erfolgsaussichten
Jeder Mensch mit einem gesunden Immunsystem reagiert auf fremde Stoffe, die in den Körper gelangen, mit einer Abwehrreaktion. Auch das transplantierte Organ wird vom Immunsystem als Fremdkörper empfunden. Um eine Abstoßung zu verhindern, ist es deshalb notwendig, mit Hilfe von Medikamenten die natürliche Abwehr des Körpers gezielt zu blockieren. Diese Medikamente werden bereits unmittelbar vor der Transplantation verabreicht und müssen lebenslang eingenommen werden. Außerdem müssen regelmäßig das körperliche Befinden, das Gewicht, der Blutdruck, der Blutzucker sowie die Laborwerte kontrolliert werden.
Eine Nierentransplantation kann mittlerweile im Normalfall ohne großes Risiko durchgeführt werden. Im Schnitt liegen die Erfolgsaussichten bei einer Ein-Jahresüberlebensrate von 85%. Dabei hängt die Sterblichkeit im Wesentlichen von den Begleiterkrankungen und dem Lebensalter des Empfängers ab. Fünf Jahre nach dem Eingriff funktionieren noch 71% aller Transplantate lebenserhaltend. Die Langzeitfunktion ist neben der kalten Ischämiezeit - von verschiedenen weiteren Faktoren abhängig. Generell sind die Ergebnisse nach einer Lebendspende-Transplantation besser als nach einer Entnahme des Organs bei verstorbenen Personen; nach einem Jahr funktionieren noch 95% und nach fünf Jahren 84% der Transplantate von Lebendspendern. Hier wirkt sich die kurze kalte Ischämiezeit zwischen Entnahme und Transplantation günstig aus; außerdem wird vermutet, dass die Compliance bei der Einnahme von Immunsuppressiva nach Lebendspende besser ist.
Patienten unterliegen nach einer Organverpflanzung - sofern die Niere funktioniert und keine weiteren Krankheiten bestehen - so gut wie keinen Einschränkungen. Sie können ihrem Beruf nachgehen und angemessenen Sport treiben. Bei ausgezeichneter Funktion des transplantierten Organs sind selbst Schwangerschaften kaum risikoreicher. Notwendig sind jedoch die lebenslange Einnahme der Immunsuppressiva sowie eine mindestens vierteljährliche medizinische Kontrolle.