Lungentransplantation
Seit Beginn der 80er Jahre ist es möglich, erfolgreich Lungentransplantationen durchzuführen. Seitdem ist die Zahl der weltweit durchgeführten Lungentransplantationen sprunghaft gestiegen. Darunter fallen sowohl Einzellungentransplantationen (die Verpflanz- ung eines Lungenflügels), Doppellungen- transplantationen (die Verpflanzung beider Lungenflügel) als auch Herz-Lungentransplantationen. Bislang wurden weltweit über 15.000 Lungentransplantationen und über 3000 kombinierte Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 262 Lungentransplantationen, davon 15 gleichzeitig mit einer Herztransplantation.
Grundsätzlich kommen für eine Lungentransplantation Patienten mit einer Lungenerkrankung im Endstadium in Betracht, bei denen die medikamentöse Therapie ausgeschöpft und deren Lebenserwartung durch die Erkrankung auf im Allgemeinen weniger als zwei bis drei Jahre begrenzt ist.

Krankheitsbilder
Indikationen zur Einzellungentransplantation sind vor allem bestimmte Formen der Lungenüberblähung (Emphysem) und die Lungenverhärtung (idiopathische pulmonale Fibrose).
Indikationen zur Doppellungentransplantation sind vor allem die Mukoviszidose, der primäre Lungenhochdruck, die Lungenüberblähung mit starker Atemeinschränkung (Globalinsuffizienz) und häufig auftretenden Infektionen, sowie die Lungenverhärtung (idiopathische pulmonale Fibrose) mit häufig auftretenden Infektionen.
Bei irreversiblen Erkrankungen von Herz und Lunge ist eine Transplantation beider Organe angezeigt. Die Primärerkrankung kann das Herz betreffen, z.B. angeborenene Herzfehler, und zum Bluthochdruck in der Lunge führen. Lungenerkrankungen können eine Herzinsuffizienz bedingen, z.B.: Fibrose oder Emphysem.
Als Altersgrenzen gelten derzeit ca. 65 Jahre für die Einzellungen-transplantation und 60 Jahre für die Doppellungentransplantation. Ein ausreichender Ernährungszustand ist ebenso wichtig wie eine angemessene Herzfunktion ohne erhebliche koronare Herzkrankheit.

Ablauf der Lungentransplantation
Für Patienten, bei denen eine Lungentransplantation in Frage kommt, beträgt die Wartezeit auf neue Organe derzeit durchschnittlich zwölf bis 24 Monate. Regelmäßige Untersuchungen der Patienten während dieser Zeit sind notwendig, um eine wirksame Überwachung ihres Zustandes zu gewährleisten.
Die Transplantation erfolgt über die Eröffnung des seitlichen Brustkorbes im vierten bis fünften Rippenzwischenraum. Eine Doppellungentransplantation erfordert zusätzlich die quere Durchtrennung des Brustbeins im unteren Drittel. In Fällen, in denen eine Beatmung über den verbliebenen Lungenflügel während der Operation nicht möglich ist, sorgt der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine für die Aufrechterhaltung des Gasaustausches.
Nach erfolgreicher Transplantation werden die Patienten zunächst intensivmedizinisch betreut und anschließend auf der Allgemein- station versorgt. Eine Rehabilitationsbehandlung in einer Lungenfachklinik sorgt später für den gezielten körperlichen Aufbau der Patienten. Nach Entlassung sind regelmäßige Nachuntersuchungen am Transplantationszentrum und eine konsequente Mitarbeit der Patienten unabdingbare Voraussetzung für einen guten Langzeiterfolg.

Nachbehandlung und Erfolgsaussichten
Nach erfolgreicher Transplantation erlangen lungentransplantierte Patien- ten eine ausgezeichnete Lebensqualität und sind auch - altersentsprechend - gut belastbar.
Im Vergleich zu anderen Verfahren wie Herz-, Nieren- oder Lebertransplantationen sind jedoch die Überlebenszeiten nach Lungentransplantation noch immer nicht voll befriedigend. Hauptursache dafür ist die chronische Abstoßung der transplantierten Organe, die zu einer Verengung der kleinen Luftwege führt und so die Lungenfunktion einschränkt. Moderne Kombinationen von immunsuppressiven Medikamenten geben jedoch Hoffnung, dass das Auftreten einer chronischen Abstoßung immer weiter verzögert und in seine Schwere gemildert werden kann.
Die Ein-Jahresüberlebensrate nach Lungentransplantation liegt derzeit weltweit bei gut 70%. Im Rahmen nationaler und internationaler Studien werden immer neue Möglichkeiten der Therapie erprobt, um bessere Langzeitergebnisse zu erzielen und den Patienten ein immer größeres Maß an Lebensqualität zu gewähren. Die Lungentransplantation ist so in den letzten Jahren zu einem weithin akzeptierten und erfolgreichen Verfahren zur Behandlung von Patienten mit Lungenerkrankungen im Endstadium geworden.