Lebertransplantation
Im Rahmen der rasanten Entwicklung der Transplantationschirurgie hat sich auch die Lebertransplantation in den vergangenen Jahren zu einem generell akzeptierten Therapieverfahren für eine Vielzahl an irreparablen akuten und chronischen Lebererkrankungen entwickelt.
Der technisch sehr schwierige Eingriff ist für viele Menschen der einzige Weg zur Heilung und Wiederherstellung der Lebensqualität.
Die erste Lebertransplantation führte 1963 Dr. Thomas E. Starzl in den USA durch. Innerhalb der nächsten Jahre folgten auch Lebertransplanta- tionen in Europa. In Deutschland erfolgte der erste Eingriff im Jahr 1969. Weltweit wurden bereits mehr als 100.000 Organe erfolgreich transplantiert, in Deutschland sind es zurzeit rund 900 Leberverpflanzungen jährlich.

Krankheitsbilder
Bei den für eine Transplantation in Frage kommenden Lebererkrankungen wird grundsätzlich unterschieden zwischen angeborenen Anomalien bei Kindern, bösartigen Lebertumoren (begrenzt auf das Organ), einem akuten Versagen der Leber aufgrund einer Infektion oder Vergiftung sowie den Folgen von Stoffwechselstörungen der Leber, die in einer chronischen Lebererkrankung (Leberzirrhose) enden. Die Leberzirrhose ist mit einem Anteil von etwa 60% der häufigste Anlass für eine Transplantation. Jeweils 10% der Operationen erfolgen aufgrund eines akuten Leberversagens, wegen Lebertumoren oder Erkrankungen der Gallenwege mit Gallenstau in der Leber. Je 5% werden überwiegend bei Kindern und Jugendlichen aufgrund einer angeborenen Stoffwechselstörung durchgeführt.
Eine Transplantation wird prinzipiell dann in Betracht gezogen, wenn die Aussicht auf ein längeres Überleben und eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität nur durch eine neue Leber besteht. Der Eingriff kann in folgenden Krankheitsfällen nicht erfolgen: Eindringen von Krankheitserregern in die Blutbahn, bösartigen Tumoren (die nicht auf die Leber beschränkt sind), fortgeschrittenen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder HIV. Einschränkungen bestehen ebenfalls bei Patienten ab dem 60. Lebensjahr, starker Nierenschädigung, Verschluss der Pfortader oder chronischem Alkoholmissbrauch.
Der Erfolg einer Transplantation hängt einerseits von der Operation selbst, anderseits von der Nachsorge ab. Diese kann stark durch die Mitarbeit des Patienten positiv beeinflusst werden. Die psychische und soziale Situation des Patienten spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Ablauf der Lebertransplantation
In der Mehrzahl der Fälle werden betroffene Patienten hinsichtlich der Dringlichkeitsermittlung in einem Transplantationszentrum untersucht. Ist auch die OP-Fähigkeit abgeklärt, kann der Patient an das Eurotransplant-Zentrum im holländischen Leiden gemeldet werden.
Eurotransplant ist die europäische Vermittlungsstelle für Organtransplantation. Dort werden alle potenziellen Empfänger von Spenderorganen erfasst sowie die Verteilung der Spenderorgane entsprechend der immunologischen Eignung sowie der Warteliste koordiniert.
Bei akutem Leberversagen und höchster Lebensgefahr liegt die Chance bei ca. 90%, binnen 48 Stunden das Organ eines geeigneten Spenders zu erhalten. In den restlichen Fällen variiert die Wartezeit, je nach Blutgruppe und Körpergröße, zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten. Besonders bei der Lebertransplantation ist eine Übereinstimmung von Blutgruppe und Größe des Organs wichtig. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Lebendspende durch einen Angehörigen zu erhalten. In diesem Fall wird der kleinere linke Leberlappen oder die halbe rechte Leber entnommen und transplantiert. Dieser Routineeingriff dauert zwischen drei und acht Stunden.
Für die Transplantation erfolgt ein Hautschnitt im Bereich des Oberbauchs, die erkrankte Leber wird entfernt, während ein zweites OP-Team bereits das Spenderorgan präpariert. Die neue Leber wird eingesetzt, indem Lebervenen, Leberarterie, Pfortader und Gallengang mit dem Organ verbunden werden. Danach verbringt der Patient meistens drei bis fünf Tage auf der Intensivstation. Bleiben Komplikationen aus, kann die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgen.

Nachbehandlung und Erfolgsaussicht der Lebertransplantation
Jeder Mensch mit einem gesunden Immunsystem reagiert auf fremde Stoffe, die in den Körper gelangen, mit einer Abwehrreaktion. Auch das transplantierte Organ wird vom Immunsystem als Fremdkörper empfunden. Um eine Abstoßung zu vermeiden, ist es deshalb notwendig, mit Hilfe von Medikamenten die natürliche Abwehr des Körpers gezielt zu blockieren. Diese Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden. Außerdem müssen langfristig das körperliche Befinden, das Gewicht, der Blutdruck, der Blutzucker sowie die Laborwerte kontrolliert werden.
Die Früh- und Langzeitergebnisse einer Lebertransplantation hängen stark von den Ausgangsbedingungen ab. Im Durchschnitt funktionieren nach einem Jahr noch ca. 70% der Organe, nach fünf Jahren rund 60% nach fünf Jahren. Lag ein akutes Leberversagen vor, sind die Frühergebnisse aufgrund des oft sehr schlechten Gesundheitszustandes geringer. Im Gegensatz dazu liegt die Überlebenschance bei einer Transplantation wegen eines Gallestaus in der Leber nach einem Jahr bei über 95%.
In zirka 5% der Fälle kann eine erneute Transplantation erforderlich sein, nämlich dann, wenn das neue Organ seine Funktion verzögert oder gar nicht aufnimmt. Generell können die Patienten bei guter Lebensqualität ein normales Leben führen. Bei zwei Dritteln ist es sogar möglich, sie beruflich und sozial voll zu rehabilitieren.