Herztransplantation
Eines der wohl spektakulärsten und bekanntesten Ereignisse in der Geschichte der Organtransplantation war die erste gelungene Verpflanzung eines menschlichen Herzens durch den südafrikanischen Chirurgen Christiaan Barnard im Dezember 1967. Doch sein Patient verstarb nur 18 Tage nach der Operation an einer Lungenentzündung.
Heute ist die Herztransplantation gängige Praxis und durchaus Erfolg versprechend. Tatsächlich wurden weltweit bereits über 60.000 Herzen erfolgreich transplantiert, davon zirka 7.000 in Deutschland. Hier erfolgte die erste erfolgreiche Herztransplantation im Jahr 1981.

Krankheitsbilder
Bei Patienten mit Herzmuskelerkrankungen, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, angeborenen Herzfehlern oder anderen Herzerkrankungen im Endstadium ist eine Herztransplantation unumgänglich. Zum einen ermöglicht sie eine Verlängerung des Lebens, zum anderen ist ein alternativer Pumpenersatz nicht dauerhaft verlässlich.
Mit künstlichen Herzen lässt sich gegebenenfalls die Zeit bis zur Transplantation überbrücken. Sie unterstützen lediglich den schwachen Kreislauf herzkranker Patienten, das geschädigte Herz bleibt im Körper. Eine langfristige Lösung ist dies also nicht, denn die maximalen Laufzeiten der Kunstherzen liegen bei zirka zwei bis drei Jahren.

Ablauf der Herztransplantation
Wie bei allen Transplantationen werden in der Mehrzahl der Fälle Patienten mit schweren Herzerkrankungen in einem Transplantationszentrum untersucht, um die Dringlichkeit der Transplantation zu ermitteln. Sind alle Voruntersuchungen abgeschlossen und liegen alle Voraussetzungen vor, kann der Patient an das Eurotransplant-Zentrum im holländischen Leiden gemeldet werden.
Eurotransplant ist die europäische Vermittlungsstelle für Organtransplantation. Dort werden alle potenziellen Empfänger von Spenderorganen erfasst sowie die Verteilung der Spenderorgane koordiniert.
Die Kriterien zur Herzverpflanzung sind streng gefasst. Wichtig ist, dass Spender und Empfänger in Größe und Gewicht in etwa übereinstimmen, um ein Missverhältnis zwischen der Pumpleistung des transplantierten Herzens und der Größe des Empfängers zu vermeiden.
In den meisten Fällen wird das Spenderherz an der Stelle des erkrankten Herzens implantiert. Das geschädigte Organ wird unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine entfernt, wobei die Vorhofstümpfe im Körper verbleiben. Das Spenderherz wird nun exakt an der Stelle des geschädigten Herzens eingepasst.
Sehr viel seltener wird das Spenderorgan an einer anderen Stelle, manchmal auch im sogenannten "Huckepack"-Verfahren eingesetzt. Bei dieser Art der Herztransplantation verbleibt das geschädigte Organ im Körper, das Transplantat übernimmt nur eine unterstützende Funktion.
Während der Wartezeit wird der Empfänger, sofern er nicht bereits im Krankenhaus liegt, in regelmäßigen Abständen ambulant vom Zentrum betreut. Er muss rund um die Uhr telefonisch abrufbar sein, da ein Herz unvorhersehbar zur Verfügung stehen kann. Gleiches gilt damit auch für das Transplantationsteam. Diese Vorgaben sind erforderlich, da ein entnommenes Herz umgehend in den Kreislauf des Empfängers eingebracht werden muss. Andernfalls ist es nach wenigen Stunden nicht mehr verwendbar.

Nachbehandlung und Erfolgsaussichten der Herztransplantation
Jeder Mensch mit einem gesunden Immunsystem reagiert auf fremde Stoffe, die in den Körper gelangen, mit einer Abwehr- reaktion. Auch das transplantierte Organ wird vom Immunsystem als Fremdkörper empfunden.
Um eine Abstoßung zu vermeiden, ist es deshalb notwendig, mit Hilfe von Medikamenten die natürliche Abwehr des Körpers gezielt zu blockieren. Diese Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden. Außerdem müssen regelmäßig das körperliche Befinden, das Gewicht, der Blutdruck, der Blutzucker sowie die Laborwerte kontrolliert werden.
In den ersten Tagen nach der Transplantation unterliegen die Patienten einer hohen Infektanfälligkeit. Aus diesem Grunde werden in den meisten Zentren für sieben bis 14 Tage entsprechende hygienische Bedingungen geschaffen. Im Anschluss an den Aufenthalt in der Intensivstation werden die Patienten in einem Einzelzimmer unter normalen stationären Bedingungen weiterversorgt und die hygienischen Vorschriften Schritt für Schritt gelockert. Insgesamt dauert der postoperative klinische Aufenthalt vier bis sechs Wochen. Dem folgt in der Regel ein Anschlussheilverfahren in einer kardiologischen Rehabilitationsklinik.
Im Jahr 2005 erfolgten in Deutschland rund 400 Herztransplantationen. Nach einem Jahr funktionieren noch ca. 80% der transplantierten Herzen, nach 5 Jahren sind es rund 70%. Die Haupttodesursachen sind eine chronische Abstoßung des Organs und Herzinsuffizienz. Nur eine Retransplantation kann den Patienten retten. Generell hängt das Überleben des Einzelnen sehr von individuellen Risikofaktoren ab. Dazu zählen vorangegangene Erkrankungen, die Fitness vor der Operation und die Einschränkungen der Widerstandskraft, beispielsweise im fortgeschrittenen Alter. Im Normalfall gewinnt der Patient einige Monate nach dem Eingriff seine physischen Kräfte wieder zurück. Nimmt er die Medikamente wie verordnet ein, beachtet er die hygienischen Grundprinzipien und nimmt die erforderlichen Kontrolluntersuchungen regelmäßig wahr, kann er wieder ein normales Leben führen - und das für viele Jahre.