Geschichte der Transplantation
Wissen Sie,
warum im 18. Jahrhundert bevorzugt Hahnensporne für Transplantationen verwendet wurden?
Sie sind die perfekte „Knospe“, ausgestattet mit einem enormen Generationsvermögen, das die Wissenschaftler ermutigte, sie zu verpflanzen
... und – wie gesagt wird – nicht nur auf Hähnchenköpfe, sondern auch auf das Ohr eines Ochsen.

Die ersten Versuche
Die ersten Versuche, krankes Gewebe - nämlich Haut - beim Menschen zu ersetzen, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Und schon im 15. Jahrhundert wurden die ersten Bluttransfusionen schriftlich festgehalten. Im Jahr 1883 versuchten Wissenschaftler dann, innere Krankheiten durch den Ersatz geschädigter Organe zu behandeln. Darauf folgten Anfang des 20. Jahrhunderts Experimente mit der Transplantation von Nieren.
Den ersten Eingriff dieser Art führte der Österreicher Emerich Ullmann im Jahr 1902 bei einem Hund durch. Zeitgleich nahm Alexis Carrel ähnliche experimentelle Transplantationen an Hunden vor. Später experimentierte er in den USA weiter und verpflanzte nicht nur Nieren, sondern auch Hundebeine. Er bemerkte als einer der ersten, dass eine Organverpflanzung innerhalb eines Individuums funktionierte (die so genannte Autotransplantation), die Übertragung eines Organs von einem Individuum auf ein anderes aber fehlschlug (die so genannte Allotransplantation). Dies galt erst recht für die Transplantation zwischen Mensch und Tier (die so genannte heterologe oder xenogene Transplantation).
Zunächst konnten jedoch keine entscheidenden Erkenntnisse über die verschiedenen Abstoßungsreaktionen gewonnen werden, sodass zahlreiche Forscher in den 20er- und 30er-Jahren die Organtransplantation aufgaben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neue Bemühungen, vor allem in den USA. Dort wurden Anfang der 50er-Jahre eine Reihe menschlicher Nieren verpflanzt, doch wegen der Abstoßung, die einige Wissenschaftler inzwischen als Immunabwehr des Empfängers erkannt hatten, funktionierten die verpflanzten Organe nur wenige Tage. Der britische Zoologe Sir Brian Medawar beschrieb 1942 übrigens als erster die immunologische Grundlage der Abstoßung fremden Gewebes.

Die Immunsuppression
Neben der Nierentransplantation ist auch die Verpflanzung anderer Organe wie Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse heute gängige Praxis. Um jedoch nicht nur genetisch identische Individuen - eben die eineiigen Zwillinge - transplantieren zu können, mussten Mittel gefunden werden, um die durch die Verpflanzung von nicht identischen Organen ausgelöste Abstoßungsreaktion des Empfängerorganismus zu unterdrücken. Zunächst versuchten die Wissenschaftler, die Immunabwehr mittels einer radioaktiven Ganzkörperbestrahlung auszuschalten. Doch erwies sich diese Methode als viel zu aggressiv, denn an den Folgen dieser Bestrahlung verstarben viele der Patienten.
Die Entwicklung von Arzneimitteln zur spezifischen Unterdrückung der Immunabwehr begann in den 60er-Jahren in den USA. Bereits vor 1960 wurden Kortikosteroide und Azathioprin bei transplantierten Patienten eingesetzt. Sie brachten - ebenso wie die bereits früh als Immunsuppressiva verwendeten polyklonalen Antikörper - weitere Fortschritte in der Organtransplantation.
Ein Durchbruch auf diesem Gebiet gelang den Forschern Ende der 70er-Jahre mit dem Wirkstoff Ciclosporin, einem sehr spezifisch immunsuppressiv wirkenden Inhaltsstoff eines Pilzes, der wesentlich gezielter als die bis dahin verwendeten Mittel die Abstoßung des transplantierten Organs unterdrückt. Die Überlebensraten von Herz-, Leber-, Nieren- und Pankreastransplantaten verbesserten sich in der Folge drastisch.

Die Entwicklung
Ein weiterer Faktor, der die Abwehrreaktion verringert, ist eine möglichst ähnliche Gewebeeigenschaft von Spender und Empfänger. Zur Registrierung und Vermittlung geeigneter Organe haben sich Organisationen wie Eurotransplant in Holland gegründet. Zum Einzugsbereich dieser zentralen Vermittlungs-stelle gehören Deutschland, Österreich, die Benelux-Länder und Slowenien.
Es werden immer mehr Organe verpflanzt. Das rettet vielen Patienten das Leben, doch sind auch Probleme durch diese Entwicklung entstanden: Der Bedarf an Organen übersteigt bei weitem die Zahl der Spenderorgane. Bestimmte Kriterien müssen also darüber entscheiden, welcher Patient Vorrang hat. In Deutschland ist das Recht der Organspende und -transplantation seit dem 1. Dezember 1997 im Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen, dem so genannten Transplantationsgesetz, festgehalten.
Trotz der großen Fortschritte, die in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Gebiet der Organtransplantation erzielt werden konnten, ist dies immer noch ein entscheidender Eingriff, der für den Patienten mit der lebenslangen Einnahme von Immunsuppressiva verbunden ist. Gerade heute haben Forschung und Fortschritt auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin einen hohen Stellenwert, denn die Lebensqualität und die Überlebensrate von Organtransplantierten konnte gerade in den vergangenen Jahren nochmals deutlich verbessert werden.