Die Geschichte von Ciclosporin
Wie alles begann
Die Geschichte von Ciclosporin setzt sich aus vielen Mosaiksteinchen zusammen.
Sie beginnt 1970 mit dem Eintreffen von Bodenproben aus der norwegischen Hardanger-Region in den Forschungs-laboratorien von Sandoz (jetzt Novartis). In diesen Bodenproben fanden die Wissenschaftler einen Pilz, der eine neue Ära in der Transplantation einläuten sollte: Tolypocladium inflatum.
Wie einige andere Pilzstämme war auch dieser aus den Bodenproben isoliert worden, um in verschiedenen Tests auf die Bildung von antibiotischen Substanzen untersucht zu werden. Das Ergebnis war enttäuschend, und so stuften die Wissenschaftler die aus dem Pilz stammenden Substanzen zunächst als uninteressant ein. Schließlich entdeckten Dr. Jean-Francois Borel, Leiter der Abteilung, und Dr. Hartmann Staehelin in weiteren Untersuchungen doch noch eine ungewöhnliche Eigenschaft eines von dem Pilz produzierten zyklischen Polypeptids, das später den Namen Ciclosporin erhalten sollte.

Die Wirkung
In den Untersuchungen stellte sich heraus, dass gerade diese aktive Substanz, das Ciclosporin, sehr effektiv die Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems unterdrückt - die Substanz konnte Lymphozytenkulturen selektiv hemmen. Das Besondere dabei ist, dass es nicht alle an der Abwehrreaktion beteiligten Zellen in gleichem Maße hemmt und so die Bekämpfung von Krankheitserregern auch weiterhin möglich ist. So war die Lymphozytenhemmung beispielsweise etwa 300 Mal stärker als die gegen andere Zelllinien.
Borel beschrieb die Wirkungsweise folgendermaßen:
"Vergleicht man die Immunantwort mit beißenden Hunden, dann ist Ciclosporin ein Maulkorb, der bestimmte Zellen des Immunsystems am Beißen hindert ohne sie umzubringen."
Nachdem Borel die biologischen Eigenschaften von Ciclosporin im Jahr 1976 erstmals bekannt machte, folgten weitere Experimente im englischen Cambridge. Eine Forschungsgruppe um Sir Roy Calne, Professor für Chirurgie der Cambridge University, entdeckte in ersten Untersuchungen an Ratten, dass Ciclosporin die Überlebenszeit von allogenen (körperfremden) Herztransplantaten deutlich verlängert. Im Verlauf dieser Arbeiten erkannten die Wissenschaftler dann bald, dass die Substanz am lebenden Objekt nur in einer ölhaltigen Lösung - in diesem Fall Olivenöl - und nicht in alkoholischer Lösung aktiv war.

Der Durchbruch
In einer zweiten Versuchsreihe verabreichten Calne und seine Kollegen in Olivenöl gelöstes Ciclosporin nierentransplantierten Hunden oral. Erneut verzeichneten sie eine deutlich verlängerte Überlebenszeit der allogenen Transplantate.
Die ersten Anwendungen am Menschen nahm Calne 1978 vor - ein radikaler Durchbruch in der Transplantationsmedizin. 1982 wurde das Ciclosporin zugelassen. Seitdem verbesserten sich die Überlebensraten von Nieren-, Leber-, Herz-, Lungen- und Pankreastransplantaten sprunghaft und bereits 1989 konnte die 100.000 Nierentransplantation am Menschen gefeiert werden - mittlerweile wurden mehr als eine halbe Million Nieren transplantiert.

Die Entwicklung
Seit Mitte 1994 gibt es eine Zubereitungsform mit besseren Hilfsstoffen. Hier ist die aktive Substanz Ciclosporin sehr fein in einer homogenen Lösung verteilt. Die Aufnahme und Verfügbarkeit von Ciclosporin im Körper wird damit verbessert. Blutkonzentrationen sind aus diesem Grunde weniger schwankend und besser voraussehbar. Mit dieser optimierten Zubereitungsform konnte die Bioverfügbarkeit von Ciclosporin erhöht werden, d.h. der Wirkstoff wird in dieser Form schneller vom Körper aufgenommen und kann gleichmäßig seine Wirkung entfalten. Auch der Einfluss der Nahrung konnte stark verringert werden.