Die Leber erfüllt als Stoffwechselorgan eine Reihe von Aufgaben, doch kann sie durch eine Vielzahl verschiedener Ursachen geschädigt werden. In manchen Fällen sind es akute Vergiftungen oder Unverträglichkeiten, die das Organ in Stunden oder Tagen dauerhaft schädigen können. In den meisten Fällen geht der Transplantation jedoch eine lange Krankheitsgeschichte voraus. Generell ist die Indikation zur Transplantation bei allen Formen des akuten und chronischen Leberversagens gegeben. Bei bestehender Leberzirrhose ist in 60 Prozent der Fälle eine Organverpflanzung erforderlich.
Nachfolgend eine Übersicht über die Indikationen bei speziellen Krankheitsbildern.
1. Fortgeschrittene irreversible Leberkrankheiten mit Ausbildung einer Leberzirrhose
Primäre biliäre Zirrhose
Bei der primär biliären Zirrhose (PBC) handelt es sich um eine chronische Krankheit, die durch eine Entzündung an den kleinen, in der Leber gelegenen Gallengängen gekennzeichnet ist. Dadurch kommt es zum Gallestau. Zwar kann diese Erkrankung in vielen Fällen medikamentös gut behandelt werden, doch gibt es auch Krankheitsfälle, in denen sich die Gänge so weit einengen, dass sie schließlich vollkommen verschlossen sind. Damit kann die Entzündung auf das eigentliche Lebergewebe übergreifen, mit der Folge, dass es ganz zerstört wird und eine Leberzirrhose entsteht. In fortgeschrittenen Stadien stellt die Lebertransplantation eine gute Behandlungsmöglichkeit dar.
Primär sklerosierende Cholangitis
Zusammen mit der primär biliären Zirrhose gehört die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) zu den so genannten autoimmunen primär biliären Leberkrankheiten. Bindegewebsfasern, die sich zwiebelschalenartig um die kleinen Gallengänge anordnen, verursachen einen allmählichen Verschluss der Gallengänge. Die Krankheit verläuft chronisch und kann, sofern sie nicht behandelt wird, in eine Leberzirrhose übergehen.
Post-hepatische Zirrhose
Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Leberzirrhose, die nach einer Leberentzündung auftritt. Sie kann eine derartige Funktionsstörung hervorrufen, dass auch in diesem Fall eine Transplantation eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Patienten bringen kann.
Chronisch aktive Hepatitis
Hepatitisviren, die in die Leber eindringen, können sich im Innern der Leberzellen verbergen. Dort bleiben sie oftmals über lange Zeit, vermehren sich und sind dem direkten Zugriff des Immunsystems entzogen. Unser Körper kann die verborgenen Viren nur bekämpfen, indem er befallene Leberzellen zerstört. Dieser Abwehrkampf ist die Ursache der langanhaltenden Leberentzündung - der chronischen Hepatitis. Sie führt ebenfalls zu einer Leberzirrhose und der Notwendigkeit einer Lebertransplantation.
Alkohol-toxische Lebererkrankung
Einer der häufigsten Gründe für die Entstehung einer Leberzirrhose ist der übermäßige Genuss von Alkohol. Allerdings kann eine so genannte Äthyl-toxische Leberzirrhose auch schon durch geringe Mengen an Alkohol entstehen, je nachdem, wieviel die Leber eines Menschen entgiften kann. Oftmals liegen zusätzliche Lebererkrankungen vor, die eine Leberzirrhose durch Alkohol begünstigen können. Eine Lebertransplantation bei der Alkohol-toxischen Leberzirrhose ist jedoch nur dann angebracht, wenn im Vorfeld eine ausreichend lange Alkoholabstinenz eingehalten wurde und die familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Umstände gefestigt sind.
Budd-Chiari-Erkrankung
Bei dem seltenen Budd-Chiari-Syndrom kommt es zu einem Verschluss der großen Lebervenen. Dadurch kann das Blut aus der Leber nicht mehr zum Herzen abfließen. Es entsteht ein Blutstau, durch den die zahlreichen komplexen Stoffwechselfunktionen in der Leber gestört werden. Bei fortschreitender Lebergewebeschädigung entwickelt sich eine Narbenbildung mit der Ausbildung einer Leberzirrhose.
2. Bösartige, auf die Leber begrenzte Tumoren
Hepatozelluläres Karzinom
Rund 80 Prozent aller hepatozellulären Karzinome (Leberzellkrebs) entstehen aufgrund einer Leberzirrhose, wobei die Häufigkeit des Auftretens eines Karzinoms mit der Ursache der Zirrhose zusammenhängt. So ist das Risiko, an einem Leberzellkrebs zu erkranken dann erhöht, wenn eine chronische Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virusinfektion vorliegt, ebenso bei Vorliegen einer alkoholischen Leberzirrhose oder einer Leberzirrhose, die ihre Ursache in der Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) hat.
Cholangiozelluläres Karzinom
Das bösartige cholangiozelluläre Karzinom (Gallengangkarzinom) geht von den Zellen des Gallengangsystems aus und kommt nur selten vor. Am häufigsten tritt es bei Männern nach dem 60. Lebensjahr auf.
3. Angeborene Fehlbildungen
Extrahepatische Gallengangsatresie
Bei der extrahepatischen Gallengangsatresie handelt es sich um eine Fehlbildung: Durch einen undurchgängigen Gallengang ist der Galleabfluss gestört. Dieser wiederum zieht einen Stau in der Leber nach sich.
4. Stoffwechselstörungen
Morbus Wilson
Der Morbus Wilson ist eine seltene Erkrankung des Kupferstoffwechsels. Kupfer, das wir über die Nahrung aufnehmen, wird größtenteils über die Leber und den Darm ausgeschieden. Fehlt nun das Eiweiß, das Kupfer im Blut binden soll, reichert sich das Element in der Leber und anderen Organen an und schädigt diese, aber auch Strukturen des Zentralnervensystems. Patienten können nur durch eine Lebertransplantation gerettet werden.
5. Akuter Leberausfall
- Virushepatitis
- Medikamenteneinnahme
- Vergiftungen, beispielsweise Verzehr von Knollenblätterpilz